47-Jähriger verurteilt / Überfall mit 2,6 Promille / Kommissar sagt als Zeuge vor Gericht aus

Fast zwei Jahre für Tankstellenraub

mih Stendal. Ein 47-Jähriger, der im Februar vergangenen Jahres eine Tankstelle in Stendal überfallen haben soll, ist gestern am Landgericht zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Zusätzlich erhielt er von der Vorsitzenden Richterin Simone Henze-von-Staden die Auflage, 300 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten.

Aus dem Gericht

Der Beschuldigte konnte direkt im Anschluss an die Tat von Polizisten vorläufig festgenommen werden. Vor der Verurteilung sagte unter anderem ein 42-jähriger Kommissar des Stendaler Reviers aus. „Ich hatte Dienst im Revier und habe bei der Einsatzmeldung Kollegen aus verschiedenen Richtungen zur Tankstelle geschickt“, berichtete der 42-jährige Beamte. Er selbst sei direkt zum Bahnhof gefahren. „Ich habe die Fluchtrichtung des Täters grob auf das Stadtseegebiet beschränkt“, gab der Zeuge gegenüber Henze-von-Staden an.

Auf dem Bahnhofsgelände habe er dann den ersten Verdächtigen angetroffen. Während er den Ausweis jener Person kontrollierte, habe er den möglichen Täter aus der Entfernung auf sich zukommen sehen. „Die Beschreibung passte. Glatze, dunkle Oberbekleidung“, sagt der Oberkommissar. Er habe bei dem 47-Jährigen direkt einen starken Alkoholgeruch in der Atemluft festgestellt. Sonstige Ausfallerscheinungen wie ein unsicherer Gang oder Lallen seien ihm nicht aufgefallen.

Nachdem der Beamte und einer seiner Kollegen den Personalausweis des Verdächtigen kontrolliert und ihn aufgefordert hatten, seine Taschen zu leeren, kamen zahlreiche lose Geldscheine zum Vorschein. „Die Scheine waren feucht und haben stark nach Bier gerochen“, berichtete der Polizist vor Gericht weiter. Der 47-Jährige, der zum Zeitpunkt seiner Festnahme einen Blutalkoholpegel von über 2,6 Promille hatte, habe darauf bestanden, dass einer dieser Scheine ihm gehöre. „Wir haben erstmal das ganze Geld sichergestellt und hätten ihm nach dem Ende der Ermittlungen sein Geld natürlich zurückgegeben“, stellte der 42-jährige Beamte klar. Der Beschuldigte habe sich ohne Widerstand festnehmen lassen.

Die Auftaktverhandlung hatte mit einer seltsamen Darstellung des Angeklagten begonnen: Er behauptete nämlich, die Mitarbeiterin der Tankstelle habe ihm das Geld freiwillig ausgehändigt (AZ berichtete). Er soll lediglich um Pfand für eine Bierflasche gebeten haben. Die Mitarbeiterin verneinte dies. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

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