Altmark-Zeitung holt ersten Poetry-Slam nach Stendal / Sabrina Schauer gewinnt Siegerscheck

Von Fanta-Palmen und Mr. Löffel

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Tobias Glufke hatte zwar Probleme bei der Bahn-Anreise, sicherte sich aber das erste „Weiter“ des Abends und durfte länger als fünf Minuten dichten.

Stendal. Die Augen einer Kinderlosen und ihre wachsende Aggressivität bei hormonschleudernden verliebten Pärchen im Frühling machten sie zur Siegerin. Sabrina Schauer hat am Mittwochabend den ersten Altmark-Slam gewonnen.

Und es ist nicht ihr erster Titel. Bereits beim Poetry-Slam der Allgemeinen Zeitung in Uelzen wurde sie zur Heidekönigin gekürt und konnte nun auch die Altmärker von ihrer Dichtkunst überzeugen. Doch zuvor musste sie sich gegen neun Konkurrenten durchsetzen, die sich ebenfalls gute Chance auf den Titel ausrechneten. Mit schwarzem Zylinder betrat Moderator Sven Kamin, selbst passionierter Poetry-Slammer, die Bühne im Musikforum Katharinenkirche. Und musste den Besuchern erst einmal die Regeln erklären. Diese sind kurz: Zehn Poeten haben jeweils fünf Minuten Zeit für ihre Darbietung. Dann entscheiden die Zuschauer, wie ihnen das Stück gefallen hat. Doch nicht alle durften richten. Fünf Zuschauern wurde die Ehre zuteil, ihrer Meinung mit Hilfe der Zahlen eins bis zehn Ausdruck zu verleihen.

Zur Probe durfte Kamin selbst mit seinem Ergänzungs-Stück als Opferlamm herhalten und das Publikum auf den Abend einstimmen. Die Reihenfolge der Dichter loste Kamins Assistentin und Glücksfee Pia aus. „Der Erste hat es immer am schwersten“, holte Kamin Robin Isenberg ans Mikrofon, der seine Schüchternheit dort aber nicht ganz ablegen konnte, während er über das Erwachsenwerden und seine Beziehung zum Vater dichtete. Seine Botschaft: „Ich hab dich gebraucht!“. Deutlich stimmgewaltiger präsentierte sich der zweite Poet des Abends, Alex Meyer. Es gebe sicherlich Gründe, an eine bessere Welt zu glauben, doch der Inhalt des neuen Cola-Werbespots stelle diese nicht klar genug dar. Schließlich sei das Leben keine glückliche Fanta-Palme und Schokoladenkuchen kein wirksames Mittel gegen den Dritte-Welt-Hunger oder für den Weltfrieden.

Im ersten Block zeigten fünf Poeten ihr Können und machten sich über die deutsche Grammatik, die Wut als Treibstoff Deutschlands (denn hier gibt es ja kein Öl) sowie über Fischallergie bei Walen Gedanken, bevor die Gäste und damit auch die Jury in eine kurze Pause entlassen wurden. Den zweiten Block dominierten die Damen auf der Bühne, unter ihnen auch die spätere Siegerin Sabrina. Mit den drei höchsten Punktzahlen 28 und zweimal 26 zogen Sabrina, Sibylle und Till ins Finale ein und durften sich nochmals mit einem neuen Text dem Urteil des Publikums stellen. Doch dieses Mal galt keine Punkteregel, sondern nach allen drei Darbietungen der Applaus der Zuschauer, die von Sven Kamin dazu aufgefordert wurden. Knapp war es besonders zwischen Till und Sabrina, doch sie hatte die Herzen der Altmärker gewonnen und damit auch einen Pokal in Form der gekrönten Altmark. Das Publikum applaudierte und pfiff für die Siegerin.

Sabrinas Erfolgsgeheimnis: „Man sagt ja immer: Schreib’ über das, was du kennst. Also ich bin nicht nur kinderlos, sondern auch Single. Aber nicht zu haben“, erklärt die Hamburgerin grinsend, auch ob der Siegerprämie von 200 Euro, die ihr der Verlagsleiter der Altmark-Zeitung, Martin Schmelzer, in Form eines Schecks überreichte. Der Zweitplatzierte Till Reiners durfte sich über 100 Euro freuen, die Dritte Sibylle Schreiber noch einmal über 50. Zum ersten Mal überhaupt hat die Altmark-Zeitung einen Poetry-Slam in diese Region gebracht. Und eine Wiederholung ist schon versprochen. Das freut auch Sven Kamin, der selbst niedersächsisch-bremischer Landesmeister ist. „Das Publikum war super drauf und so ein Zehner-Applaus auf der Bühne, der fühlte sich schon toll an. Es hat großen Spaß gemacht, auch weil die Poeten so gut waren.“ Und auch für das nächste Jahr hat der Moderator schon Pläne. „Ich würde das gern noch einmal machen. Die Atmosphäre war wirklich ganz toll.“ Das sahen auch die Gäste so, die aus der gesamten Altmark angereist waren und sich nach dem Poetry-Slam bei einem Glas Wein noch angeregt mit den Dichtern unterhielten oder deren Bücher kauften.

Von Bianca Lange

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