Ermittlungen gegen Ex-Stendaler abgeschlossen / Denny H. droht mehrjährige Haftstrafe

Falscher Aida-Arzt geht baden

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Auf den Aida-Schiffen dürfte der falsche Arzt auch ein beachtliches Honorar kassiert haben.

Stendal / Berlin. Die Schlinge zieht sich enger. Dem falschen Arzt, der eineinhalb Jahre auf Aida-Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hat und zuvor in Stendal als Pflegekraft tätig gewesen sein soll, könnte nach AZ-Informationen schon bald der Prozess gemacht werden.

„Die Ermittlungen gegen den Mann sind nun abgeschlossen. Die weitere strafrechtliche Vorgehensweise wird derzeit noch geprüft“, informierte Thomas Fels, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, diese Woche auf Nachfrage. Denny H. war im Dezember vergangenen Jahres in der Bundeshauptstadt festgenommen worden (die AZ berichtete). Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Der gebürtige Sachsen-Anhalter soll unter anderem Approbations- und Promotionsurkunden gefälscht und sich einer Berliner Zeitung zufolge an der Spree jahrelang als Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin ausgegeben haben. Im Stendaler Johanniter-Krankenhaus konnte der Hochstapler zuvor offenbar mehrere Jahre als Krankenpfleger arbeiten und wurde unter anderem auf der Intensivstation eingesetzt. Zu dem genauen Zeitraum und den näheren Umständen wollen sich die Johanniter mit Verweis auf den Datenschutz und die zuständige Staatsanwaltschaft nicht äußern. Krankenhaussprecherin Claudia Klupsch: „Wir geben nach wie vor keine Auskunft.“

Denny H., Anfang 40, soll laut Berliner Staatsanwaltschaft zuletzt mehrere Hundert Passagiere auf Aida-Kreuzfahrtschiffen behandelt haben. Ein Rostocker Mediziner hat derweil ganz eigene schwere Vorwürfe erneuert. Wie er jetzt der „Welt am Sonntag“ sagte, habe Denny H. ihn 2013 mit Atropin vergiftet. Dabei handelt es sich um ein Alkaloid, das unter anderem in der Schwarzen Tollkirsche vorkommt. Es wird in der Medizin nicht zuletzt zur Reanimation bei Kreislaufstillstand eingesetzt. Der 38-Jährige hatte Anzeige wegen schwerer Körperverletzung erstattet. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Inwieweit diese Vorwürfe nun noch eine Rolle spielen könnten, bleibt abzuwarten. Denny H. soll damals seinerseits gegen den Arzt aus Rostock und die Deutsche Stiftung Organtransplantation, wo beide beschäftigt waren, wegen Mobbings geklagt haben.

Von Marco Hertzfeld

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