Bahnhofsmssion beklagt fehlende Barrierefreiheit / Personalmangel in der sozialen Einrichtung

„Fahrstühle wären ein Segen“

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Barrierefrei sieht anders aus. Frühestens 2017 soll ein Fahrstuhl im Stendaler Bahnhof gebaut werden. Für die Bahnhofsmission (Bild oben) bedeutet das weiterhin mehr Arbeit.

Stendal. „Fahrstühle wären ein echter Segen“, sagt Patricia Kalz, Leiterin der Rolandstädter Bahnhofsmission. Noch gibt es am Bahnhof keine Barrierefreiheit. Reisende, die beim Gehen beeinträchtigt sind, haben keine Aufzüge oder Rolltreppen, die sie nutzen können.

Stattdessen sind sie auf die Hilfe von anderen Fahrgästen oder Missionsmitarbeitern angewiesen.

„Meist sind Rollstuhlfahrer betroffen“, berichtet Kalz. Sie erzählt von einer ortsunkundigen Person im Rollstuhl, die von ihrer Begleitung durch den neu angelegten Tunnel an der Lüderitzer Straße geschoben wurde. Erst an den Treppen zum Bahnhofsgebäude sei ihnen bewusst geworden, dass sie dort nicht weiter kommen. „Die mussten umdrehen und den ganzen Weg außen herum gehen. Am Tunneleingang steht ja nix“, beklagt die Missionsleiterin, „da müssten zumindest Schilder stehen.“

Eine Barrierefreiheit zu den Bahnsteigen soll frühestens im Jahr 2017 hergestellt werden, sagte Helmut Trommer, Sachgebietsleiter im Tiefbauamt, zu Beginn des Jahres im Ausschuss für Stadtentwicklung. „Ein Fahrstuhl im Bahnhof ist zunächst Sache der Bahn“, so Trommer, „dazu müssen auch Veränderungen an den Bahnsteigen vorgenommen werden“. Die Baumaßnahme sei zwar für 2017 angedacht, aber „es kann auch länger dauern“.

Die mangelnde Barrierefreiheit ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit, um die sich Patricia Kalz und ihr Team kümmern müssen. „Mit dem Frühlingserwachen steigt auch unser Arbeitsaufwand“, berichtet Kalz im AZ-Gespräch. Waren es zu Beginn der Bahnhofsmission unter ihrer Leitung etwas über 2000 Kontakte zu Hilfesuchenden im Jahr, so verzeichnet sie für 2014 gut 7000 Kontakte. Dem steht ein Personalmangel gegenüber. „Eigentlich bräuchten wir zusätzlich noch drei bis vier Mitarbeiter“, so die Leiterin.

Von den bis zu 50 Menschen, die sich täglich in den Räumen der Mission einfinden, seien jedoch maximal zwei bis drei Personen auf der Suche nach etwas Essbarem. Die Meisten benötigten Hilfe bei der Durchreise. „Den Menschen mit ihrem Gepäck zu helfen, ist nicht immer möglich, weil auch Mitarbeiter von uns Rücken- oder Hüftleiden haben“, sagt Patricia Kalz, „aber man muss wirklich stauen, wie viele Menschen von sich aus helfen“.

Von Mike Höpfner

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