Prüfung läuft seit Mai

Fahrrad-Flotte des Rathauses lahm: Stendals Stadtverwaltung soll Bürgern Vorbild sein

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Bundesweit soll es Mitarbeiter von Behörden und Betrieben verstärkt aufs Fahrrad ziehen. Es gehe um neue Mobilität und das Klima, meinen die Befürworter.

Stendal – Inwieweit die Stendaler Stadtverwaltung tatsächlich beispielhaft vorangehen will und ihre Mitarbeiter verstärkt vom Pkw auf den Drahtesel umsatteln können und wollen, scheint nicht unbedingt in Spitzentempo entschieden zu werden.

„Die Prüfung bezüglich weiterer Dienstfahrräder ist derzeit noch unterwegs“, weiß Rathaussprecher Armin Fischbach auf Nachfrage der AZ.

Die kommunale Flotte an den fünf Verwaltungsstandorten umfasst aktuell gerade einmal acht Räder. Die Hansestadt beschäftigt derzeit mehr als 600 Leute. Der Elektro-Roller scheint bei ihnen bereits durchgefallen. „Die Prüfung fiel aufgrund mangelnden Bedarfs und mangelnder Nachfrage bei unseren Kollegen negativ aus. “.

Im Mai hatte der alte Stadtrat mehrheitlich eine Prüfung beauftragt, was in Sachen klimafreundlicher Mobilität denn so alles möglich wäre. Alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung könnten in absehbarer Zeit ein Dienstfahrrad oder einen E-Roller zur Verfügung gestellt bekommen. So wünschte es sich jedenfalls nicht zuletzt die damalige Fraktion aus SPD, FDP, Piraten und Ortsteilen. Der politische Auftrag besteht weiter und dürfte bald wieder auf der Tagesordnung der Gremien stehen. Die Befürworter verweisen auf die mögliche Einsparung von Kohlendioxid. Zudem ließe sich der Autoverkehr in der Innenstadt auf diese Weise reduzieren und Parkflächen für andere würden frei.

Dr. Herbert Wollmann (SPD) und Mitstreiter sahen und sehen natürlich auch einen Gesundheitsaspekt. Und: Das Engagement der Stadtangestellten wäre im Straßenbild für alle sichtbar. Die Verwaltung gewänne eine gewisse „Vorbildfunktion für andere Betriebe und Einrichtungen“, heißt es im Antrag. Die Botschaft scheint in den Stendaler Amtsstuben zumindest angekommen zu sein. Sprecher Fischbach: „E-Roller und weitere Diensträder würden eine klimafreundliche Alternative für die Angestellten der Stadt darstellen, um Dienstwege in Stendals Kernstadt und zu unseren nahe gelegenen Ortsteilen wie Wahrburg, Röxe, Bindfelde und Borstel zu bewältigen.“

Andere Ortschaften und Ortsteile in der Einheitsgemeinde Stendal dürften selbst für den engagiertesten Mitarbeiter zu weit entfernt sein, egal, ob nun Sommer oder Winter ist, ob es regnet oder die Sonne scheint. Wobei für die Fahrt mit dem Dienstrad ja sowieso das Prinzip der Freiwilligkeit gelte und gelten soll. Noch einmal der Rathaussprecher dazu: „Die städtischen Angestellten können über unsere interne Ressourcen-Reservierung eigenständig Dienstfahrräder zu bestimmten Zeiten reservieren, um diese bei Bedarf nutzen zu können.“ Wie groß die kommunale Fahrradflotte und die angestrebte Vorbildfunktion für die Bürger am Ende tatsächlich wird, bleibt natürlich abzuwarten.

Bedeutsam scheint die Frage allemal und auch deshalb: Die Stadt soll der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ des Landes Sachsen-Anhalt beitreten. Ein Vorschlag aus der Verwaltung, mit dem sich momentan die politischen Gremien befassen (die AZ berichtete). Der Stadtrat bekommt das Papier für den 14. Oktober auf den Tisch. Es geht nicht zuletzt darum, wie das Radnetz der Zukunft in den Städten und Gemeinden im Bundesland aussehen soll. Möglich wäre eine Art Zertifikat, ein Titel, mit dem die Kommunen auch überregional bei Touristen für sich werben könnten. Verbunden ist das Ganze mit zielgerichteten Planungen und Investitionen.

Bei allen Überlegungen scheinen private Verleiher von E-Tretrollern im Land bislang keine entscheidende Rolle zu spielen. Das Angebot dürfte bundesweit auf dem Vormarsch sein, ist aber auch nicht unumstritten und sorgt mancherorts für Unordnung (die AZ berichtete). Laut der Deutschen Presseagentur will mindestens ein größerer Verleiher in Sachsen-Anhalt bis Ende 2019 zumindest in Magdeburg und Halle vertreten sein. Vieles hänge von Gesprächen mit der jeweiligen Stadt ab, eine offizielle Bestätigung des Zeitplans gibt es nicht. In der Kleinstadt Stendal bleibt der E-Roller erst recht erst einmal Privatsache, App und Verleihstation sind nicht in Sicht. Fischbach: „Bislang haben uns diesbezüglich keine Anfragen oder Angebote erreicht.“

VON MARCO HERTZFELD 

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