Szenen der ländlichen Provinz

Fachtagung an der Hochschule: Was will sie eigentlich, die Jugend?

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Professor Günter Mey ist zusammen mit Marc Dietrich Initiator der Fachtagung in Stendal.

Stendal. Was will sie eigentlich, die Jugend? Platt ausgedrückt ist das die Kernfrage jener Fachtagung, die an der Hochschule am Standort Stendal am Freitag und Sonnabend ihre Bühne haben wird.

Sie soll aus den Blickwinkeln der Sozial- und der Kulturwissenschaftler den Fokus auf das Feld der Jugendkultur und die damit zusammenhängende Forschung lenken. Das Thema ist wie folgt betitelt: „(Über-) Leben in der Provinz“.

Stendal und die Altmark werden zu diesem Anlass wohl nicht beispielgebend für die Provinz stehen, sagt Professor Günter Mey, welcher als Initiator zusammen mit Marc Dietrich namhafte Referenten in die Hansestadt holt. Ohnehin gebe es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR noch wenige Forschungsergebnisse, die sich mit der Jugendkulturszene im großen und kleinen Rahmen im Vergangenen und im Heute ausgiebig beschäftigt hätten. Doch könne das zu erwartende Fazit der Tagung auch lokalen Institutionen bei der Klärung der Frage helfen, was die Jugend denn nun will und welche Angebote auch im ländlichen Raum Sinn ergeben. Unter anderem sind städtische Jugendclubs eingeladen, den fünf Themenblöcken zu lauschen.

„Jugendkulturen verbinden die meisten Menschen mit Urbanität“, sagt der Wissenschaftler und nennt Beispiele wie die Punk-, Techno- oder die HipHop-Szene, die meist mit Städten wie London, Berlin und New York in Verbindung gebracht werden.

Doch gebe es laut Mey auch in ländlichen Regionen und Kleinstädten ähnliche Gruppierungen wie in Großstädten. Die Bandbreite an jugendkulturellen Szenen sei sogar sehr groß. Die einzelnen Gruppen seien jedoch auf dem Land in sich kleiner und auch nicht so ausdifferenziert wie in den Metropolen. Da es im ländlichen Raum weniger Orte gebe, die für Jugendkultur als Treffpunkte dienlich wären, kann es eben zur Verschmelzung verschiedener Einflüsse kommen und dazu, dass Orte von verschiedenen Szenen gleichzeitig in „friedlicher Ko-Existenz“ genutzt werden. In der Jugendkulturforschung und noch mehr in der Öffentlichkeit fänden „Provinzen“ – also ländliche Regionen, Kleinstädte oder gar Dörfer – als Orte für und „Motoren“ der Jugendkultur eher wenig Aufmerksamkeit. Die Fachtagung soll Einblicke geben und das globale Phänomen ins Lokale herunterbrechen. Die Vorträge werden sich zum Beispiel unter den Überschriften „Feldzugänge und Kartierungen zu vergangen popmusikalischen Tätigkeiten in der Provinz“, „Going up the Country. Jugendkulturen in der DDR“ sowie „Pogo auf dem Altar – Punk in der DDR“ der großen Hauptüberschrift zum „(Über-) Leben in der Provinz“ unterordnen. Die Veranstaltung des Fachbereichs der Angewandten Humanwissenschaften der Hochschule steht in Kooperation mit dem Institut für Qualitative Forschung der Internationalen Akademie Berlin und der Stiftung „Respekt!“ und feiert in Stendal Premiere.

Von Alexander Postolache

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