Faber bleibt Vorsitzender, Bausemer sein Gegner

Der neue Vorstand: Wilfried Nahrstedt (v.l.), Matthias Fritze, Dr. Michael Kühn, Matthias Siegmanski, Astrid Bleißner, Marcus Faber und Angela Basner. Foto: Pusch

Stendal. „Das ist kein Neuanfang, das ist Totengräberstimmung“, schimpfte Arnold Bausemer, nachdem beim Kreisparteitag der FDP die Vorstandswahlen über die Bühne gegangen waren. Gerade hatte er es auch im zweiten Wahlgang nicht geschafft als Beisitzer dem Gremium anzugehören.

Mit sieben Stimmen verfehlte er die absolute Mehrheit um eine Stimme. Somit gehört dem Kreisvorstand kein Mitglied aus dem ostelbischen Bereich an. Zuvor war der Hohengöhrener mit fünf zu neun Stimmen schon bei der Wahl zum zweiten Stellvertreter Mathias Fritze unterlegen.

Doch nicht nur der Konflikt zwischen Bausemer sowie seinem Sohn Arno auf der einen und dem Vorsitzenden Marcus Faber auf der anderen Seite drückte am Sonnabendvormittag auf die Stimmung. Angesichts des Wahlergebnisses sechs Tage zuvor hatte niemand Grund zum Jubilieren, wenn auch manches eine Frage der Interpretation war. „Natürlich haben wir eine schwere Niederlage erlitten“, so Faber. Ihn schmerze es auch, dass er als Direktkandidat im Wahlkreis Stendal von 5,2 auf 3,9 Prozent abgerutscht sei. Doch sei das Ergebnis von Dr. Michael Kühn im Wahlkreis Havelberg-Osterburg auf den zweiten Blick gar nicht so schlecht. So habe er zwar gegenüber 2006, als Arno Bausemer als Direktkandidat angetreten war, 2,3 Prozent der Stimmen verloren, liege mit 2,5 aber nur 0,2 Prozent unter den Zweitstimmen.

„Ich habe jedenfalls vor fünf Jahren überall Wahlkampf gemacht, nur nicht in Honolulu“, meinte Bausemer mit einem Seitenhieb auf die Hawaii-Reise Dr. Kühns im Vorfeld der Wahl. So schlecht sei die FDP in dem Wahlkreis noch nie gewesen. Einen Kandidaten, der nicht da ist, könne man auch nicht unterstützen. „Er ist vielen ein Unbekannter geblieben“, so Bausemer, der Faber ebenfalls vorwarf, ein Problem mit der Wahrheit zu haben. Wie könne er behaupten, dass sich die Mitgliederzahl stabilisiere, obwohl es seit dem Kreisparteitag vor zwei Jahren einen Schwund gegeben habe. Er beklagte, dass Fabers zweiter Stellvertreter nie bei Versammlungen zu sehen sei und stellte zwei Fragen in den Raum: „Wo ist Stefan Thurmann und warum machst du Politik gegen die Mitglieder?“

Faber blieb seinem Kontrahenten in der Diskussion nichts schuldig. Der habe nach seinem Rücktritt als Schatzmeister im Januar vergangenen Jahres und verschiedenen gescheiterten Anträgen bis zum Bundesschiedsgericht der FDP Konsequenzen in seinem Engagement angekündigt. „Wo sind die“, fragte Bausemer.

Ungefährdet wurde Faber in seinem Amt als Vorsitzender mit 11:3 Stimmen für zwei weitere Jahre bestätigt. Mit dem selben Ergebnis wurde Dr. Michael Kühn zum ersten Stellvertreter gewählt. Schatzmeister bleibt Matthias Siegmanski (13:1) und als Beisitzer fungieren Wilfried Nahrstedt, Angela Basner und Astrid Bleißner. Vor den Wahlen war der Vorstand entlastet worden – Bausemer auf Antrag Dr. Kühns separat.

Am vergangenen Sonntag habe er einen herben Schock erlitten, sagte Bundestagsabgeordneter Jens Ackermann. Er sei am Boden zerstört gewesen und es tue ihm menschlich leid, dass die sieben FDP-Abgeordneten ihr Mandat verloren haben. Vor allem treffe ihn aber, „dass die Nazis beliebter sind als wir.“ Wieder standen Fragen im Raum: „Woran hat’s gelegen?“, „War es der Bundestrend?“ Es seien wohl das fehlende Alleinstellungsmerkmal und der fehlende klare Kompass. Arno Bausemer wusste in seiner Analyse dem Ergebnis der Landtagswahl durchaus zwei positive Aspekte abzugewinnen: „Die Faschisten sind nicht im Landtag und die Postkommunisten sind nicht in der Regierung.“ Für beide Begriffe wurde er von Versammlungsleiter Manfred Schulz gerügt.

Von Thomas Pusch

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