Dr. Siegfried Limmer lässt die Historie der Fachkräfte-Schmiede nicht los

Ex-Dorfoberhaupt erforscht Bertkower Kaderschmiede

+
Längst zum Wohngebäude umfunktioniert ist die einstige Viehpflege- und Melkerschule Bertkow. Vor dem Backsteinhaus an der Hauptstraße des Nachbardorfs von Goldbeck gab es vor 80 Jahren noch eine Kälberweide.

Bertkow. Sie stand bei angesehenen Leuten hoch im Kurs, die Fachkräfte-Schmiede Bertkow. Familien, die etwas auf sich hielten, schickten ihre Söhne auf die staatlich anerkannte Viehpflege- und Melkerschule.

Jahrgangslisten dokumentieren die Blütezeit der Lehrstätte vor den Toren des Uchtedorfs Goldbeck von 1930 bis Januar 1933.

Berufsmelker holten sich dort ihr Rüstzeug für den Umgang mit dem schwarzbunten Tieflandrind. Das Preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten stellte die Meisterbriefe aus. Als Tierzuchtinspektor leitete ein Experte aus Dithmarschen zwischen 1930 und 1938 die Lehrstätte. Dr. Max Witt habilitierte danach an der Uni Halle, bevor er ins Reichsernährungsministerium wechselte.

Das Backsteinhaus an der Hauptstraße zählte zur Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen, die 1895 in Halle vom Zentralverein zur Körperschaft des öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Die Landwirtschaftskammer nahm 1933 ihr Ende, als sie in den Reichsnährstand (RNST) mit Sitz in der Reichsbauernstadt Goslar überging und die Landesbauernschaft Sachsen-Anhalt entstand.

„Wenn man also mit Erfolg Aufzucht betreiben will, muss man nicht nur das Gewicht in Betracht ziehen“, wurde den Viehpflege-Schülern in Bertkow in ihre Aufgabenhefte diktiert. Zum Objekt gehörte ein Bauernhof und vor dem Backsteinbau, der längst zum Wohnhaus umfunktioniert ist, gab es eine Kälberweide, wie Fotos aus der Zeit belegen. In der Milchviehanlage der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) im 13 Kilometer entfernten Iden erinnert eine Infotafel an die Bertkower Kaderschmiede. Und auch Bertkows früherer Bürgermeister weiß die Bedeutung des Standorts zu schätzen. „Dr. Siegfried Limmer erforscht die Geschichte der Schule“, sagt Bertkows Vertreterin im Goldbecker Gemeinderat Annedore Müller am Dienstag der AZ.

Von Antje Mahrhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare