Nebenbei bemerkt

Kohle für Köpfe

Zugegeben: So richtig neu ist die Idee ja nicht, aber es lohnt sich trotzdem, darüber mal ein bisschen nachzudenken. 50 Euro will die städtische FDP jedem Studenten bezahlen, sofern er in Stendal seinen Hauptwohnsitz nimmt und mindestens zwei Jahre bleibt. Kohle für Köpfe.

Arno Zähringer

Dadurch, so hoffen die Liberalen, bekommt die Hansestadt nicht nur mehr Geld nach dem Finanzausgleichsgesetz, sondern auch der Altersdurchschnitt könnte gesenkt werden. Zwei Fliegen mit einer Klappe also. Andere Städte sollen damit ja bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Doch warum ein Begrüßungsgeld nur für Studenten, die in der Regel nach abgeschlossenem Studium mangels geeigneter Arbeitsplätze der Stadt sowieso den Rücken kehren? Wie sieht es mit Familien aus, die momentan auf dem Land leben und deshalb auf das Auto angewiesen sind, etwa um Einkäufe zu erledigen oder die lieben Kleinen in die Schule zu bringen?

Wäre es da mit Blick auf die Nachhaltigkeit nicht besser, gerade für diese Gruppe Anreize zu schaffen, um sich in Stendal anzusiedeln? Ob da allerdings 50 Euro ausreichen, um eine Familie zum Umzug zu bewegen, ist zweifelhaft. Vielmehr liegt es auch am Marketing der Hansestadt selbst, um für sich und die bestehenden Einrichtungen, die in der Vergangenheit für viel Geld geschaffen wurden, zu werben. Natürlich, das ist Überzeugungsarbeit, die hier geleistet werden muss, und die Erfolge werden sich nicht von heute auf morgen einstellen.

Trotzdem sollten sich die Stadtmütter und -väter überlegen, mit welchen Pfunden sie wuchern können. Funktionierende, gut ausgestattete Schulen einerseits, ein interessantes Freizeitangebot mit Kino und Theater sowie eine gute ärztliche Versorgung; allesamt Faktoren – natürlich neben dem Arbeitsplatz –, die bei der Wohnortsuche mitentscheidende Rollen spielen.

Deshalb sollte der Ansatz der FDP Grundlage für eine Diskussion darüber sein, wie sich Stendal in den nächsten Jahren positionieren möchte. Einzelhandelskonzepte sind zwar wichtige kommunalpolitische Instrumente, sie sollten aber nicht der einzige Inhalt einer auf die Zukunft ausgerichteten Politik sein.

Von Arno Zähringer

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