Genosse Reinig will Mittelalter-Größe Dietrich von Portitz ein Denkmal setzen

Erzbischof kniet auf Mönchskirchhof

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Für belebende Elemente wäre noch Platz.

Stendal – Ludwig Reinig hat da so eine Idee. Dietrich von Portitz könnte in Stendal ein Denkmal gesetzt werden. Für den Linken ist er „einer der größten Söhne der Stadt“.

Wer es nicht weiß: Der Mann wurde um 1300 in Stendal geboren, war oberster Kanzler im Königreich Böhmen und später Erzbischof von Magdeburg.

Es handelt sich also um einen Altmärker, der Karriere gemacht hat. Ihm ein Denkmal zu setzen, kann sich der Genosse gut vorstellen. Auf dem Mönchskirchhof, der sowieso irgendwann umgestaltet werden soll. Das würde das Gelände bereichern und auch den Touristen gefallen. Noch ist es nur ein Gedanke, wie Reinig selbst sagt. Doch dieser könnte weitere Leute anstecken. Vor dem inneren Auge kniet der Bischof vielleicht zumindest schon einmal dort.

Eine freizügige Dame schmückt kunstvoll den Mönchskirchhof. Ein Bischof soll folgen.

Zumal andere in der Nachbarschaft vormachen, wie es geht. In Werben soll wieder ein Denkmal an Albrecht den Bären erinnern, das alte ist irgendwann verloren gegangen. Ein Arbeitskreis und der Vorstand des Altmärkischen Heimatbundes haben sich das 2013 zur Aufgabe gemacht. Was sich in der Zitadelle in Berlin-Spandau martialisch in den Himmel reckt, soll das Komtureigelände in der kleinen Hansestadt schmücken. Wenn auch nur in Kopie und in Bronze. Das Projekt hat inzwischen richtig Fahrt aufgenommen. Das ehrgeizige Ziel: Möglichst schon 2020 soll das Denkmal für den mittelalterlichen Fürsten eingeweiht werden.

Die Renaissance-Festung in Berlin beherbergt Standbilder und Büsten der einstigen Siegesallee, eines von Kaiser Wilhelm II. finanzierten Prachtboulevards. Und wie das Leben so spielt: Ein Bildhauer gestaltete einst auch eine marmorne Büste des Erzbischofs, nicht sonderlich groß, eine Nebenfigur zum Standbild Kaiser Karls IV. Aber immerhin. Ob die Arbeit, in welcher Form und Höhe auch immer, als Vorbild für Stendal taugt, müsste sich zeigen. Reinig hat auch das im Stadtrat zumindest ins Gespräch gebracht. Ein Pro und Contra sollte es an diesem Abend nicht geben. Doch die Idee ist in der Welt.

Dietrich von Portitz ist auch als Dietrich Kagelwit oder Dietrich von Kugelweit bekannt. Er legte so etwas wie eine mittelalterliche Traumkarriere hin. Geboren wurde er als Sohn eines Gewandmachers oder Tuchmachers. Die altmärkische Familie trat später in den Adelsstand ein.

Für Reinig, Diplomkulturwissenschaftler und bis zur Rente bei der Stadt im Sachgebiet Tourismus und Kultur tätig, ist der Mönchskirchhof auch deshalb der passende Ort für ein Denkmal, weil die Weberstraße gleich an diesen anschließt. Altes Handwerk und Religion treffen zusammen. Noch heute befindet sich dort eine katholische Kirche, früher gab es noch ein Kloster dazu. Ein bedeutsames Stück Geschichte der Rolandstadt.

Der Mönchskirchhof soll zeitnah erneuert werden. So sagte es jedenfalls Bauamtsleiter Georg-Wilhelm Westrum und ordnete das Vorhaben noch vor einer Neugestaltung des Wernerplatzes ein, der es mittlerweile in die mittelfristige Planung 2023 bis 2025 geschafft habe. Genauer ist Westrum am Mikrofon nicht geworden. Die markanten Plätze Stendals aufzufrischen, ist kein neues Thema. Immer wieder einmal gab es Initiativen und auch Nachfragen von Bürgern. Der Mönchskirchhof jedenfalls scheint nicht mehr auf die allzu lange Bank geschoben.

VON MARCO HERTZFELD

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