244 Asylbewerber sind da, darunter 18 Kinder ohne Familien

Erster Flüchtlingsansturm in Klietz: Über Nacht 75 Helfer mobilisiert

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In Klietz angekommene Flüchtlinge aus Syrien. Die Strapazen der Flucht sind dem Mann im Rollstuhl noch anzusehen. Ein Junge bringt ihm Tee aus Kasernenkantine. Gestern Vormittag waren 244 Asylbewerber in der Erstaufnahmestelle.

Klietz. Sie fallen auf im Straßenbild, aber es macht (noch) nicht den Eindruck, als sei der Ort mit Flüchtlingen überfüllt. Ein paar kleine Gruppen Fremder sehen sich neugierig um. Seit dem Wochenende sind sie in Klietz.

Landrat Carsten Wulfänger (v.r.) im Gespräch mit Bernd Witt und dem Chef der Kaserne, Oberstleutnant Michael Vormwald.

Die dortige Bundeswehrkaserne fungiert als Erstaufnahmestelle. Am Montagvormittag waren dort 244 Personen, hauptsächlich Syrer und Afghanen, registriert. Bis zu 700 Flüchtlinge sollen in der Kaserne zeitweilig untergebracht werden. Rund drei Wochen werden sie hier bleiben und dann landesweit auf die Kommunen verteilt. Im Landkreis Stendal leben jetzt 1005 Asylsuchende, teilte Landrat Carsten Wulfänger (CDU) mit. Die Verwaltung müsse nun eine Doppelaufgabe bewältigen. Neben der Flüchtlingsunterbringung in Wohnungen wurde auch die vorläufige Betreuung in Klietz organisiert. Bis das DRK regulär die Aufgabe übernimmt, werden voraussichtlich noch zwei, drei Wochen vergehen.

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Kaserne für Flüchtlinge: „Klietz nur eine Interimslösung“

Ursprünglich war vorgesehen, die Erstaufnahmeeinrichtung Klietz zum Monatsende zu öffnen. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. „Am Freitag haben wir das Amtshilfeersuchen bekommen, die Einrichtung sofort in Betrieb zu nehmen“, berichtet Wulfänger. Über Nacht hat er 75 Helfer mobilisiert. Den Stress des Wochenendes sieht man seinen Augen an. Bereits am Sonnabend rollten drei und am Sonntag zwei weitere Busse mit Flüchtlingen an. Der Standort ist eine Interimslösung, bis der Ausbau der früheren Grenztruppen-Kaserne in Stendal zur Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung beendet ist. Die sollte, laut ersten Aussagen von Landesfinanzminister Jens Bullerjahn (SPD), im Sommer 2016 bezugsfertig sein. Inzwischen ist von Herbst 2016 die Rede. Wie nun zu erfahren war, ist die Kaserne in Klietz für eineinhalb Jahre angemietet und wird wohl auch so lange genutzt.

Die Flüchtlingskinder werden von DRK-Mitarbeitern betreut.

Auf dem Gelände herrscht augenscheinlich (wieder) entspannte Atmosphäre. Nur dem Kinosaal, wo die Erstregistrierung erfolgt, sieht man noch ein wenig den Ansturm der vergangenen Tage an. Untergebracht sind die Flüchtlinge in spartanisch eingerichteten Kasernenstuben. Sechs Betten, sechs Stühle, sechs Spinte – das war´s. Kein Fernseher im Zimmer, von Luxus überhaupt keine Spur. Dafür sauber, solide: Militärstandard eben. Für die Essensversorgung wurde vorerst ein Zelt organisiert. Hier und da wird gebaut. Helfer von Bundeswehr, Johannitern, DRK, Kreisverwaltung und anderen Stellen kümmern sich um die Angekommenen, besonders die Jüngsten. 18 Kinder sind ohne Familienangehörige da.

Von Christian Wohlt

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