Landrat Patrick Puhlmann (SPD): „Der Klimawandel kommt und wir in der Altmark sind mittendrin.“

Erste Niedrigwasserkonferenz im Landkreis Stendal

Zahlreiche Teilnehmer an der Niedrigwasserkonferenz sitzen im Sitzungssaal Stendal des Stendaler Landratsamtes.
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Der große Sitzungssaal ist gut gefüllt. Aus allen Teilen des Landkreises sind interessierte Teilnehmer angereist, um etwas über die Auswirkungen der Dürrejahre auf das Altmark-Wasser zu erfahren.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Die anhaltende Dürrephase wirkt sich auf den Grundwasserspiegel aus. Deshalb kamen am Montag Vertreter aus dem gesamten Landkreis zu einer ersten „Niedrigwasserkonferenz“ im Stendaler Landratsamt zusammen. 

Stendal – Zahlreiche Teilnehmer sind erschienen. Für gewöhnlich wird zum genauen Gegenteil eingeladen. Gestern Vormittag fand jedoch keine Hochwasser- sondern die erste Niedrigwasserkonferenz im Landkreis Stendal statt. „Der Klimawandel kommt“, sagte Landrat Patrick Puhlmann (SPD) zur Einleitung. „Und wir in der Altmark sind mittendrin.“

Bislang sei die Sorge vor weiteren Flutkatastrophen wie 2002 und 2013 vorherrschend gewesen. Aber dies kehre sich mittlerweile ins Gegenteil um, stellte der Landrat fest. Während 2017 noch ein relativ feuchtes Jahr war, hätten sich die folgenden Jahre mit einer außergewöhnlichen Dürrezeit hervorgetan. Das Thema sei nicht neu, ganz im Gegenteil. „Das Thema ist mehr als reif“, sagte Puhlmann. Das zeige sich auch an dem großen Interesse und der entsprechenden Teilnehmerzahl. Es gebe bereits Projekte, die sich mit dem Grundwasserstand beschäftigen. Die Konferenz solle jedoch auch Anstoß sein, um die Themen auch landesseitig anzuschieben.

Mathias Weiland, Geschäftsbereichsleiter des Gewässerkundlichen Landesdienstes, brachte einige naturwissenschaftliche Fakten in die Diskussion mit ein. Zwar sei ein Wassermangel historisch gesehen nicht neu, Sachsen-Anhalt ist eins der wasserärmsten Bundesländer, aber ein neuer Faktor kommt hinzu. „Wir müssen damit rechnen, dass es deutlich wärmer wird“, erklärte Weiland. Und das habe auch Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Immer wieder auftretende Trockenphasen seien normal, im Zusammenspiel mit den Hitzewellen verdunste jedoch ein größer werdender Teil des Wassers, bevor es ins Grundwasser eintreten kann.

Dr. Winfried Sonderhoff, Abteilungsleiter Landwirtschaft im Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten, lenkte den Blick auf die Auswirkungen, die insbesondere die Landwirte der Region treffen. Ein Sandboden könne für acht Tage genug Flüssigkeit halten. Danach beginne für die Pflanzen der Trockenstress. Um zu beurteilen, wie sehr der fehlende Niederschlag den Landwirten schade, müsse nicht nur auf den Jahresniederschlag, sondern insbesondere auch auf den von April bis September geachtet werden. Wenn während dieser Vegetationsperiode das Wasser fehlt, müsse entsprechend nachberegnet werden, damit die Landwirte keine massiven Ernteausfälle haben.

Professor Dr. Frido Reinstorf vom Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit, der Hochschule Magdeburg-Stendal macht auf die geringere Beschiffbarkeit der Elbe aufmerksam. Die Zahlen der vergangenen Jahrzehnte zeigten zwar keine statistisch relevanten Pegelunterschiede, im größeren Vergleich von 1806 bis 2018 gebe es jedoch eine deutliche Verschärfung der Lage. Für die kürzere Betrachtung könnten die Hochwasserereignisse möglicherweise den Schnitt ausgleichen, vermutete der Wissenschaftler.

„Es gibt eine zunehmende Zahl von Anträgen zur Feldberegnung“, stellte Stefan Loter vom Umweltamt des Landkreises fest. Die anhaltende Niedrigwasserlage im Landkreis sei noch nicht an dem Punkt, an dem eine Beregnung nicht mehr erlaubt werden könne, aber jede Genehmigung müsse kritisch hinterfragt werden.

„Wir werden an dem Thema dranbleiben“, schloss Puhlmann die Konferenz. Dazu gehöre es auch, die verschiedenen Möglichkeiten, die es bereits gibt und die noch entwickelt werden, zu koordinieren. Als weitere Frage stünde im Raum, wie das Wasser, das im Landkreis vom Himmel fällt, für die schlechteren Zeiten gespeichert werden kann.

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