Erinnern ohne zu glorifizieren

Landrat Jörg Hellmuth (von vorn), Stadtratsvorsitzender Dr. Klaus-Jürgen Mörs und Vze OB Axel Kleefeldt verneigten sich vor den Toten.

Stendal - Von Thomas Pusch. Bei der Gedenkveranstaltung der Stadt auf dem Friedhof an der Osterburger Straße fand Stadtratsvorsitzender Dr. Klaus-Jürgen Mörs eindringliche Worte. Er mahnte, die Erinnerung an schreckliche Kriegszeiten nicht zu verlieren, auch wenn die Generation der Zeitzeugen aussterbe.

Die letzten Töne der Abordnung der Stendaler Stadtmusikanten waren verklungen, als Stadtratsvorsitzender Dr. Klaus-Jürgen Mörs seine Ansprache zum Volkstrauertag bei der zentralen Veranstaltung auf dem Städtischen Friedhof begann. 1952 sei der Volkstrauertag in Deutschland wieder eingeführt worden, der in Nazi-Deutschland als „Heldengedenktag“ missbraucht worden sei. Seitdem hätten sich Welt und Lebenswirklichkeit verändert. Die generation der Kriegszeugen sterbe aus und die jüngeren Generationen könnten nach 65 Jahren Frieden in Deutschland nicht mehr nachvollziehen, wie es ist, Angst vor feindlichen Bomben zu haben. „Wie soll man denn um Menschen trauern, die man nicht kannte“, fragte Mörs. Auch wenn es keinen Kontakt gegeben habe, so dürfe die Erinnerung doch nicht verloren gehen. Einzelschicksale müssten auch heute noch berühren, etwa das des Kindes, dessen Eltern im Krieg ums Leben kamen oder das einer ausgebombten Familie, die von heute auf morgen alles verlor.. „Jeder Schüler muss heute das Tagebuch der Anne Frank lesen“, forderte er. Auch Filme könnten hilfreich beim Erinnern sein, wenn sie die Gewalt weder bagatellisieren noch verherrlichen. Krieg habe niemals Gewinner, sondern nur Verlierer.

Mörs richtete den Blick aber auch in die Gegenwart, in der es gelte die Vorurteile gegenüber Völkern, Nationen und Religionen abzubauen. „Der Volkstrauertag soll auch in dieser Hinsicht etwas in den Köpfen der Menschen anregen“, wünschte er sich.

In sein Totengedenken bezog er nicht nur die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege und die Opfer der Gewaltherrschaft ein. Er gedachte aller Kinder, Frauen und Männer aller Völker, die durch Krieg und Verfolgung ihr Leben verloren. Er gedachte aber auch der toten Bundeswehrsoldaten, genauso wie der Opfer von Terrorismus sowie von Hass und Gewalt gegen Fremde. „Wir leben in der Hoffnung auf Versöhnung“, so Mörs. Nach einer Gedenkminute schallten wieder Töne der Stadtmusikanten über das Friedhofsgelände.

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