Kein Veto möglich / Erste Ergebnisse 2020

Endlager-Suche reich an Sprengkraft: Auch der Landkreis Stendal kommt infrage

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Fässer im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben, Landkreis Börde. Seit 20 Jahren wird dort kein Abfall mehr eingelagert. Der Grund: Einsturzgefahr im früheren Kali- und Steinsalzbergwerk.

Stendal – Für den Atommüll in Deutschland muss ein Endlager gefunden werden. Auch der Landkreis Stendal kommt dafür weiterhin infrage. Angela Vogel weiß um die Sprengkraft in dieser Sache und betont, dass die Suche nach einer geeigneten Stelle noch längst nicht abgeschlossen sei.

Die Kreissprecherin gegenüber der AZ: „Für 2031 plant das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit, Erhebungen zur Standortwahl abzuschließen und den Standortvorschlag zu machen. Bundestag und Bundesrat entscheiden letztendlich.“ Die Suche nach einem möglichen Endlager hat 2017 so richtig begonnen.

Das Bundesamt will die Bevölkerung umfangreich über das Verfahren informieren. Sobald konkrete Orte im Raum stünden, prägten erfahrungsgemäß nicht allein Fakten die Debatte, sagte laut Nachrichtenagentur DPA Behördenchef Wolfram König Anfang Januar. Deutschlands hoch radioaktiver Müll soll unterirdisch gelagert werden, für immer und ewig sozusagen.

Das Ziel: maximale Sicherheit für eine Million Jahre. Experten suchen nach festgeschriebenen Kriterien infrage kommende Regionen aus. Erste Ergebnisse werden 2020 erwartet. Ein Vetorecht gebe es nicht. Regionen könnten sich nicht dafür oder dagegen entscheiden.

Eine Kommission zur Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe arbeitete längst. Ihre Studie über „Teilgebiete und betroffene und nicht betroffene Gebietskörperschaften“ (etwa Landkreise) bildet sozusagen den Kern in einer ersten Phase der Endlager-Suche in Deutschland.

Kreissprecherin Vogel will erklären: „Der Landkreis Stendal ist der Gruppe T  2, Tonsteinteilgebiet 2, zugeordnet. Insgesamt wurden in Deutschland vier mögliche Tonsteinteilgebiete ermittelt, wobei T  1 und T  2 sehr große Teilgebiete in der nördlichen Hälfte Deutschlands sind und zwei erheblich kleine Teilgebiete, T  3 und T  4, im Süden liegen.“

Im Klartext: Der Landkreis Stendal ist nicht raus aus der Nummer. In der Kommission saßen Bundes- und Landespolitiker genauso wie Vertreter gesellschaftlicher Gruppen und der Wirtschaft. Ihre Geburtsstunde war 2011 der Beschluss des Bundestages, Deutschland aus der Kernenergie aussteigen zu lassen.

Für Abfallstoffe fehlt aber noch eine möglichst dauerhaft sichere Lagermöglichkeit. Maßgeblich für einen Standort sind aus geologischer Sicht Granit, Ton oder Salz. Und da kommen recht viele Regionen in Betracht. Noch stünden keine konkreten Gebiete zur Diskussion, betonte kürzlich Bundesamts-Präsident König.

„Die Verwaltung des Landkreises ist in den Findungsprozess des Bundes verwaltungsrechtlich nicht eingebunden“, weiß Vogel. Stendals Vize-Landrat Dr. Denis Gruber (SPD) informiere die Öffentlichkeit kontinuierlich über das, was der Landkreis wisse. Für den morgigen Dienstag steht das Thema auf der Tagesordnung des Umweltausschusses.

Die Kreispolitiker treffen sich um 17 Uhr im Domizil der Seehäuser Feuerwehr. Die Sitzung ist öffentlich. Das Bundesamt hat ein möglichst transparentes Verfahren angekündigt. Mit der Standortsuche ist die Bundesgesellschaft für Endlager mbH (BGE) beauftragt.

Kurz nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fuku-shima im März 2011 kam es zum Wechsel in der deutschen Energiepolitik. Bis Ende 2022 soll die Bundesrepublik den Atomausstieg, der nicht nur Befürworter hat, schaffen.

VON MARCO HERTZFELD

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