Einer der ältesten Windkraftstandorte Sachsen-Anhalts ist aufgegeben worden

Ära endet: Baumgarten hat nun keine Windräder mehr

Ein Spezialkran hat alle drei Anlagen unweit des Eichstedter Ortsteils auf den Boden geholt. Fotos (2): Bandau

Baumgarten. Einer der ältesten Windkraft-Standorte Sachsen-Anhalts ist unweit des Eichstedter Ortsteils Baumgarten von der Bildfläche verschwunden. Betreiber Frank Wehrmann hat die drei Windräder als sogenanntes Repowering (Ersatz alter Stromerzeuger) abmontieren lassen.

Für den Großeinsatz musste ein 400-Tonnen-Spezialkran aus Bremen herangeschafft werden. Er hob zunächst die Turbinenköpfe, an denen die Flügel fast zwei Jahrzehnte lang ihre Kreise zogen, auf den altmärkischen Boden. Danach legte der Kraftprotz die gut 36 Meter hohen Betonmasten auf die Seite. Die Masten wiegen jeder für sich etwa 54 Tonnen.

Zwei der drei Anlagen waren wegen Ermüdungsbrüchen bereits seit Längerem außer Betrieb. Das letzte noch rotierende Baumgartener Windrad war aber erst im Februar diesen Jahres abgeschaltet worden. Der Rückbau des Windspargel-Trios sollte ursprünglich schon im Mai erfolgen. Das Wetter hatte aber nicht mitgespielt.

Die Baumgartener Windkraftwerke verfügten im Gegensatz zu modernen Anlagen nur über zwei Rotoren, die mit einer Spannbreite von etwa 27 Metern inzwischen vergleichsweise Winzlinge der Branche sind. Flügel neuester Windräder messen immerhin bis zu 180 Metern und bestehen mittlerweile aus Hightech-Materialien, wie kohlefaserverstärkten Verbundschaumstoffen, die viel leichter und stärker sind.

Wehrmann war im Jahr 1992 so etwas wie ein Windkraft-Pionier, als er im Bauamt der damaligen Verwaltungsgemeinschaft „Mittlere Uchte“ die Errichtung der drei Windräder beantragt hatte. Aufgebaut wurden die Anlagen dann 1995, berichtet der Eichstedter der AZ. Damals habe aber überall noch die Erfahrung mit der Windkraft-Materie gefehlt. Es sei jedenfalls „Neuland“ beschritten worden, beschreibt er seine „Privatinitiative“ von damals.

Nach etwa 20 Jahren Betriebsdauer enden für Ökostrom-Erzeuger in der Regel staatliche Subventionen durch das Einspeisegesetz (Erneuerbare Energien Gesetz, EEG). Mittlerweile ist die Technik so ausgereift, dass Rotoren auch nicht mehr defekt gehen, weil plötzliche Böen aufkommen. So etwa erging es den Baumgartener Windflügeln. In Zeiten rasanten Windkraft-Booms hat sich weltweit ein Markt für ausgediente Technik entwickelt. Bundesweit waren Ende 2012 fast 10 000 Anlagen mindestens zwölf Jahre alt.

Von Antje Mahrhold

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