Überraschende Aussage verzögert Prozessende

„Emily kopfüber geschüttelt“

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Im Prozess gegen die 20-jährige Katja B. kommt es vorerst nicht zu einer Verurteilung. Ihre Mutter sagte aus, Katja B. habe Emily am Tattag „kopfüber geschüttelt“, um dem Kind das Atmen zu erleichtern. Dies habe Katja B. mehrfach bestätigt.

Stendal / Bismark. Sah es bis zum gestrigen Termin noch so aus, als würde im Emily-Prozess noch in diesem Monat mit einem Urteil zu rechnen sein, so wird sich dies durch eine überraschende Zeugenaussage weiterhin verzögern.

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Die 20-jährige Katja B. steht seit Ende Juli vor dem Stendaler Landgericht, weil sie ihre Stieftochter, die anderthalbjährige Emily, im Februar dieses Jahres zu Tode geschüttelt haben soll. Die Mutter der Angeklagten wurde bereits eindringlich zum Tatgeschehen befragt, lieferte bei ihrer gestrigen Befragung jedoch neue Erkenntnisse. Am Morgen des 2. Februar habe Katja B. ihr Stiefkind röchelnd und auf dem Boden liegend vorgefunden. „Dann hat Katja Emily kopfüber auf den Arm genommen und geschüttelt, aber nur, damit Emily wieder Luft bekam“, so die Mutter der Beschuldigten. Auf die Frage des Vorsitzenden Richter Ulrich Galler, warum sie das nicht schon bei ihrer ersten Vernehmung erzählte, antwortete die 47-Jährige: „Ich dachte, ich brauche, das nicht zu erzählen, wenn ich nicht genau danach gefragt werde. Etwas nervös war ich auch.“

Dabei soll ihr Katja B. diesen Umstand bereits am Tattag sowie im Nachhinein mehrmals persönlich und in Briefen aus der Untersuchungshaft mitgeteilt haben. Mehrmals pro Woche würden sich Mutter und Tochter in Briefen austauschen. „Sie schreibt oft, dass sie Angst vor dem Urteil hat und hofft, dass alles gut ausgeht“, sagte die 47-jährige Bismarkerin.

Weiterhin an das Landgericht geladen wurde gestern die Sachverständige für Handschrifterkennung, Dr. Dagmar Kurrat vom Landeskriminalamt. Es ging wieder um die Briefe, die Katja B. in der Untersuchungshaft angeblich vom ebenfalls angeklagten Kindsvater Patrick F. und einer weiteren Person erhalten haben soll (AZ berichtete). Ihre Analyse war eindeutig: „Es ist wahrscheinlich, dass alle Schriftstücke von der gleichen Person kommen“, so Kurrat. Außerdem hätten zwei Briefe mit vermeintlich unterschiedlichen Absendern einander als Unterlage gedient. Patrick F. käme als Verfasser der Briefe nicht in Frage, da es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit um zwei verschiedene Verfasser handelt“. Die Sachverständige ließ dafür von Patrick F. im Vorfeld Vergleichsmaterial in Form von Diktat-Schriftbögen anfertigen. Bei einem Vergleich zwischen den Briefen aus der U-Haft sowie den Vergleichsschriften von Patrick F. hätten sich „überwiegend Abweichungen ergeben, die auch mit Verstellungsbestrebungen einer Person nicht erklärt werden können“, so Kurrat.

Von Mike Höpfner

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