Offener Brief: Paar sieht Dumpinglohn, Mangel und politisch Verantwortliche

Eltern fahren aus der Haut: Busstreik macht krank

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Wenn Busfahrer in Stendal oder anderswo streiken, trifft das vor allem die Schulkinder.

Landkreis. Nach dem Busstreik gibt es heftige Kritik. „Das Busunternehmen hat ein zu geringes Ausschreibungsangebot abgegeben und kann deswegen seinen Beschäftigten beziehungsweise Subunternehmen keinen angemessen Lohn zahlen“, schreiben Daniela Nieber und Michael Jüstel in einem offenen Brief an alle Beteiligten.

Der Landkreis wiederum habe „dieses Dumpingangebot“ angenommen, sei also mitschuldig. Wenn auch nicht rechtlich, dann doch zumindest moralisch. Die Jarchauer sehen eine „Wiederholungsgefahr“, wollen beim nächsten Streik ein Taxiunternehmen für Schulkinder ihres Ortes in die Spur schicken und die Rechnung an „Stendal-Bus“ und Landkreis schicken.

Der Streikmorgen habe die Jarchauer Schulkinder kalt getroffen. Ein Großteil habe nichts von dem Ausstand der Busfahrer gewusst. Allein weil dieser kurz nach acht beendet wurde, sei der Nachwuchs doch noch zur Schule gelangt. Allerdings hätten die Kinder 30 Minuten lang bei fünf Grad Celsius und peitschendem Regen in einer halb kaputten Haltestelle warten müssen, schimpfen Nieber und Jüstel. Ihre Tochter sei einen Tag danach regelrecht zusammengebrochen und musste von der Schule abgeholt werden. Diagnose: „Angina und hohes Fieber.“

Wegen des Warnstreiks bei dem Unternehmen war es am Mittwochmorgen im gesamten Landkreis zu erheblichen Behinderungen im Schul- und Berufsverkehr gekommen. 16 Linien, überwiegend im Bereich Osterburg, Bismark, Tangerhütte und Arneburg, waren von 4.30 bis 8.15 Uhr vom Ausstand betroffen. Die Mitarbeiter von Stendal-Bus fordern mehr Geld, eine Anpassung der Vergütung, wie sie in anderen Landkreisen üblich sei. Die Gewerkschaft Verdi hat angekündigt, dass es zu weiteren Warnstreiks kommen kann.

Nieber und Jüstel wollen die Schuldigen erkannt haben: „Wir sind es leid, mit anzusehen, wie der von oben angeordnete Mangel durch Berufs- und Kommunalpolitiker konsequent nach unten durchverwaltet wird. Dabei leben wir in einem Land, das mit Hunderten Milliarden Euro um sich wirft, als gäbe es kein morgen. Für bedürftige Banken, Kriegseinsätze und andere fragwürdige Experimente geben wir unser letztes Hemd.“ Es sei an der Zeit, die Bedürfnisse der Bevölkerung von unten nach oben durchzusetzen. „Früher nannte man das Demokratie, heute wird es als wutbürgerlich, populistisch, im schlimmsten Fall rechts verunglimpft.“

Von Marco Hertzfeld

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