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Eingewanderte Arten in der Altmark mögen es oft wärmer

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Von: Lisa Maria Krause

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Bienenfresser im Sonnenlicht
Der Bienenfresser fühlt sich nun auch in der Altmark wohl und die Population hat sich erholt. © Boris Roessler

Es gibt noch gar nicht so die wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Bereich, sagt Derk Schneider, Sachbearbeiter Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit im „Haus der Flüsse“, zu dem Thema eingewanderte Arten, Neobiota, aufgrund des nun in Deutschland wärmeren Klimas. Besonders mit Blick auf die Altmark fehle es da an wissenschaftlichen Untersuchungen.

Havelberg/Altmark - Ob Eichenprozessionsspinner, Algenfarn, Nilgans oder Sonnenbarsch: Die Einwanderer kommen aus allen Bereichen und sind in der Altmark mehr und mehr anzutreffen.

Manche Tiere, Pflanzen und andere Lebewesen füllen Nischen, während andere das Ökosystem bedrohen und den Bestand heimischer Arten gefährden. Diese gelten dann als invasive Arten. Zu den Neophyten, pflanzliche Neuankömmlinge, zählt der Algenfarn, der ursprünglich aus den Tropen stammt.

Dieses Jahr mache der Zuwanderer ziemliche Probleme, die sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern könnten, berichtet Schneider. Die Schwimmpflanze bilde flächendeckende Teppiche in den Nebenarmen der Flüsse. „Weniger Licht verändert natürlich das gesamte Ökosystem.“ Damit könnten Unterwasserpflanzen, die sonst schädliche Stoffe aus dem Wasser filtern, nicht überleben.

Das Haus der Flüsse in Havelberg
Die Mitarbeiter des Havelberger „Haus der Flüsse“ haben das heimische Ökosystem immer gut im Blick. Welche Arten sich in der Altmark aufgrund des milderen Klimas etablieren, lasse sich aber nicht mit Sicherheit sagen. © Privat

„Wir beobachten an der Havel Nilgänse“, berichtet Schneider. Die aus dem Mittelmeer-Raum und Nordafrika stammenden Vögel würden sich nun auch dort erfolgreich vermehren. Sie seien allerdings relativ aggressiv und könnten bei größeren Beständen andere Arten verdrängen. Genaue Daten gebe es dazu aber nicht. Ein positives Beispiel einer eingewanderten Art sieht Schneider in den Bienenfressern.

Diese Vögel stammen eher aus dem wärmeren Süden und den Tropen, sind aber auch in Süddeutschland etabliert. Nun wurden sie auch an der Elbe gesichtet. Dank dem wärmeren Klima konnte sich ihre Population erholen. Seiner Meinung nach, sind Bienenfresser „gar nicht so schlecht für das Ökosystem“, denn sie fressen vornehmlich Wespen und Heuschrecken. Sie können von Insekten verursachte Plagen eindämmen.

Relativ leicht, sich bei uns auszubreiten, haben es kleine Arten, die im Wasser leben, wie Jella Schnirch, Sachbearbeiterin für die Betreuung des Havelberger Informationszentrums, an Beispielen zeigt. Denn deren Zuwanderung wird von der Globalisierung und mit Ballastwasser in Schiffen begünstigt. So gebe es nun einige neue Grundelarten hier. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese sich nun gegenseitig in ihrer Einwanderungswelle überholen oder verdrängen, berichtet Schnirch.

Algenfarn
Der aus dem Tropen stammende Algenfarn wird zunehmend zum Problem in Gewässern. © -

Einwanderer seien generell oft anspruchsloser, sind angepasst an wärmeres Klima und vermehren sich oftmals stärker als Einheimische. Der Kamberkrebs aus Nordamerika verdränge beispielsweise den heimischen Edelkrebs, der nun gefährdet sei. Denn der Kamberkrebs ist angepasst an einen für heimische Krebse gefährlichen Pilz, kann diesen aber übertragen.

In fast jeder Gruppe von Tieren, Pflanzen und anderen Arten gebe es welche, die hier eingewandert seien. Als Beispiel für Insekten nennt sie die Gottesanbeterin. Das Insekt ist in Südeuropa heimisch, profitiere aber auch vom Klimawandel. Für Sachsen-Anhalt seien Gottesanbeterinnen nachgewiesen, unter anderem auf Truppenübungsplätzen, erklärt Schnirch. Welche Arten explizit aufgrund des milderen Klimas in der Altmark heimisch werden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, betont Schneider. Forschungen dahingehend würde er begrüßen.

Gottesanbeterin in Polen
Aus dem Süden Europas wandert die Gemeine Gottesanbeterin ein. © Przemyslaw Piatkowski

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