„Mensch 2012“ – Die Finalisten im Porträt: Olaf Lincke aus Stendal

Einer, der sich gern kümmert, aber im Hintergrund bleibt

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Olaf Lincke (links) fackelt nicht lange, sondern sammelt Kleidung und Spielsachen und übergibt sie Petra und Mario Tiesis, dem Leiter der Stendaler Arche.

Stendal. „Jeder, der die Möglichkeit hat, sich ehrenamtlich zu engagieren, sei es bei der Feuerwehr oder den Landfrauen, tut etwas Gutes für das allgemeine Miteinander. Ehrenamt ist etwas Fruchtbringendes. “ Olaf Lincke, 46 Jahre alt, kam 1988 nach Stendal.

Der gebürtige Berliner erfuhr als Kind viel Unterstützung, besonders beim TSC Berlin, „auch, wenn das System nicht das beste war“. Als Erwachsener wollte Lincke der Gesellschaft etwas zurückgeben. Drei Ehrenämter liegen ihm dabei besonders am Herzen.

Einige Elterngenerationen, deren Kinder an der Stendaler Grundschule „Nord“ ihre ersten vier Schuljahre verbrachten, werden ihn mit Sicherheit kennen. „1996 wurde mein Sohn dort eingeschult“, ein Grund für den Vater von drei Kindern, Gründungsmitglied des Fördervereins der Schule zu werden. „Ideen für ein verbessertes Lernumfeld“ werden von den Förderern gesammelt, in verschiedenen Projekten umgesetzt. Ob Trinkbrunnen, Computer für jeden Klassenraum, ein Spielplatz – Sinnbringendes, das vom Träger der Einrichtung nicht finanziert werden kann, versucht der Förderverein umzusetzen. Auch wenn die Kinder von Olaf Lincke nicht mehr die Grundschule besuchen, ist dieses Ehrenamt das intensivst betriebene.

Die Unterstützung junger Menschen liegt ihm aber auch in der Tätigkeit als Schöffe am Gericht am Herzen. „Es geht nicht immer darum, jemanden zu bestrafen. Es muss vielmehr ein Anstoß gegeben werden“, macht Lincke deutlich. „Mach dein Leben anders.“ Der Familienvater ist aus Überzeugung Schöffe, ist froh, dass es im Landkreis einige Frauen und Männer gibt, die aus Überzeugung ein Ehrenamt ausführen. Dazu brauche jeder allerdings auch starken Rückhalt in der Familie und im beruflichen Umfeld, wie Lincke betont.

Als Angestellter im Sozialamt des Landkreises Stendal hat er derzeit insbesondere mit dem Thema „Bildung und Teilhabe“ zu tun. Teilhabe ist auch jenes Stichwort, das ihn 2012 mit der Stendaler Arche in Verbindung brachte. Via Facebook war er auf die Einrichtung gekommen. Diese hatte einen Aufruf gestartet, Spielsachen zu spenden. Lincke fackelte nicht lange. Sammelte Spielzeug, Kinderbekleidung, suchte das Gespräch mit Leiter Mario Tiesies. Dabei ergab sich eine neue Verbindung zwischen der Arche und dem Bistro Regional in Stendals Innenstadt. 40 Kinder werden nun einmal in der Woche mit Leckerem versorgt.

Olaf Lincke kümmert sich gern. Bleibt aber lieber im Hintergrund. Auch wenn er unter anderem bei der jährlichen Einschulungsfeier mit der Kamera ganz vorn mit dabei ist und einen der spannendsten Momente im Leben der Kinder, Eltern und Großeltern für die Chronik der Grundschule „Nord“ festhält. Lincke will sich auch weiterhin ehrenamtlich einbringen. Er ist gespannt, welche neuen Netzwerke geknüpft werden können, welche Wege sich in der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen der Hansestadt ergeben. Dabei bleibt er aber auch immer realistisch: „Vielleicht funktioniert mancher Weg nicht. Ein Versuch ist es immer wert.“

Von Alexander Postolache

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