Schwere Vorwürfe gegen das Altmark-Klinikum Gardelegen: Fünf Eingriffe „grundlos“

„Eine Odyssee an Operationen“

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Gleich fünfmal wurde eine Tangermünderin im Jahr 2012 operiert. Und das, obwohl sie keinen Bandscheibenvorfall hatte. 

Stendal / Gardelegen. Von einem „hohen Grad der Schuld“ war am Dienstagmorgen im Landgericht Stendal die Rede. Die 53-jährige Tangermünderin L. erhebt schwere Vorwürfe gegen das Altmark-Klinikum Gardelegen, das durch Prof. Dr. Karl Otto Bergmann, einem Fachanwalt für Medizinrecht, vertreten wurde.

Aus dem Gericht

Im Jahr 2012 musste sich L. in besagter Klinik wegen eines vermeintlichen Bandscheibenvorfalls fünf Operationen unterziehen, die laut Gutachter Dr. med. Julian Prell „alle nicht ordnungsgemäß verlaufen“ seien. Die Reihe an Fehlern habe bereits mit der Aufklärung der Patientin begonnen. „Das Selbstbestimmungsrecht eines Patienten ist dann erfüllt, wenn dieser umfangreich über die Chancen und Risiken eines möglichen Eingriffs beraten wird“, machte Haide Sonnenberg, Vizepräsidentin des Landgerichts, deutlich. Und das sei nicht hinreichend geschehen.

Die Vorwürfe reichen noch weiter: „Eine richtige Aufklärung hätte die Operationen verhindern können“, teilte die Kammer resümierend mit. Denn nach Beurteilung des Sachverständigen habe es den Bandscheibenvorfall überhaupt nie gegeben. Dr. Prell stellte bei der Tangermünderin lediglich eine leichte Schrägstellung der Wirbel fest. Ein weiterer Punkt ließ Richterin Sonnenberg stutzen: Vor keiner der Operationen sei ein Röntgenbild der Wirbelsäule angefertigt worden. Wie der Klägervertreter erklärte, habe seine Mandantin durch die Eingriffe erheblichen Schaden genommen. Die Kammer hielt angesichts der „Odyssee an Operationen“ – wie es der Klägervertreter betitelte – eine Schmerzensgeldzahlung von 100 000 Euro für angemessen. Einigen wollten sich die Parteien am Dienstag aber noch nicht. Eine Entscheidung gibt es am 12. Juni.

Anlasten könne man dem Altmark-Klinikum nur jene Beschwerden, die aus Behandlungsfehlern resultieren. Denn „gewisse Grundleiden“ habe L. schon vor der Behandlung in Gardelegen gehabt. Das geht aus verschiedenen Arztberichten hervor. Rund ein Dutzend Prozesse drehten sich am Landgericht bereits um das inzwischen geschlossene Wirbelsäulenzentrum Gardelegen.

Von Charlotta Spöring

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