Frauen im Schwangerschaftskonflikt: Bei „pro familia“ finden sie Unterstützung

Eine Entscheidung, die das Leben verändern kann

Sylvana Rau leitet die Stendaler Beratungsstelle von „pro familia“. Sie hat ein ganz besonderes Gespür für ihre Klienten, das auf 24 Jahren Beratungserfahrung beruht.

Stendal. Glück, Freude und Erwartung – das alles sind Gefühle, die eine „geplante“ Schwangerschaft bei werdenden Eltern auslösen können. Doch – und wie sollte es anders sein? – läuft es im Leben nicht immer nach Plan.

Denn wird eine Frau unverhofft schwanger, stellt das nicht selten alles auf den Kopf. Eigentlich hatte man die Familienplanung bereits abgeschlossen, die Beziehung zum Partner ist derzeit instabil und sowieso: Ein Baby würde sowohl aus beruflicher als auch aus finanzieller Sicht überfordern.

Dies alles können Gründe sein, Sylvana Rau zu treffen. Denn die Diplom-Pädagogin arbeitet in der Stendaler Beratungsstelle von „pro familia“, der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung und steht ihren Klienten bei einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens unterstützend zur Seite. Damit ein Schwangerschaftsabbruch straffrei vorgenommen werden kann, müssen Frauen sich in Deutschland einer Schwangerschaftskonfliktberatung (SKB) stellen, wie sie in der Osterburger Straße 4 angeboten wird.

Langeweile am Arbeitsplatz kommt bei Sylvana Rau selten vor. „Wir sind voll bis unters Dach“, sagt sie. Im Jahr 2017 nahmen insgesamt 1271 Personen die Angebote der Stendaler Beratungsstelle in Anspruch, darunter 1012 Frauen und 259 Männer. Der Schwerpunkt in der SKB liegt dabei auf Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren, wie die Stendalerin berichtet. Beraten wird werktags nicht nur in Stendal, sondern seit vergangenem Jahr auch zwei Tage die Woche in Osterburg.

24 Jahre lang ist Sylvana Rau schon für „pro familia“ tätig. Und die langjährige Erfahrung kommt ihr immer wieder zugute: „Ich erkenne meist direkt, wo ich die Frauen abholen kann“, berichtet sie. Denn viele hätten Angst, wüssten nicht, wie es weitergeht. „Die Entscheidung kann ich natürlich niemandem abnehmen. Aber was ich machen kann, ist Perspektiven aufzuzeigen“, erklärt sie. Viele Frauen, so Rau, wüssten nicht, welche sozialen und auch finanziellen Hilfen, wie etwa Eltern- und Eltern- und Kindergeld, ihnen zustehen. Die drei Beraterinnen von „pro familia“ informieren außerdem über Stiftungsmöglichkeiten, den Mutterschutz sowie über besondere Rechte von Schwangeren im Arbeitsleben. „Eigentlich über alles, was sie wissen möchten“, erzählt Sylvana Rau, die viele Kontakte zu Jugendamt, Adoptionsstelle und weiteren Einrichtungen pflegt. Eine Rechtsberatung werde zwar nicht angeboten, „aber wir können vermitteln“, so die gebürtige Greifswalderin. Ihr sei durchaus bewusst, dass viele Klientinnen ihren Entschluss bereits vor der Beratung gefasst haben. Doch das sei „in Ordnung“, stellt sie klar. Denn drängen möchte sie niemanden zu einer Entscheidung, „die liegt am Ende voll und ganz bei der Frau“, erklärt die Pädagogin. Aus ihrer Erfahrung heraus entscheidet sich etwa jede dritte Frau nach der Beratung, das Kind doch zu behalten.

Doch die Beratung von Schwangeren ist nur ein Baustein der täglichen Arbeit bei „pro familia“, wie Sylvana Rau zu berichten weiß. Schul- und Präventionsprojekte, etwa zum Thema sexuelle Gewalt, finden stets großen Anklang. Auch eine offene Jugendberatung sowie das Prager-Eltern- Kind-Programm (PEKiP) und ab Januar 2019 Babymassagekurse gehören zum umfangreichen Angebot der Stendaler Beratungsstelle. Weitere Informationen gibt es vor Ort oder unter der Telefonnummer: (03931) 21 25 23.

Von Charlotta Spöring

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