Asylbewerber bleiben nur noch sechs Monate bis zwei Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft

Die eigene Wohnung ist das Ziel

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In der Gemeinschaftsunterkunft wurden und werden Wohnungen für die Neuankömmlinge saniert.

Stendal. Fünf bis zehn Jahre blieben die Asylbewerber vor einiger Zeit noch in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) am Möringer Weg in Stendal. „Wer so lange, ohne etwas zu tun zu haben, in der GU bleiben muss, ist zu einem selbstständigen Leben nicht mehr fähig“, konstatiert Michael Marquardt.

Als Vertreter des „Runden Tisches gegen Ausländerfeindlichkeit“ hatte er seit Jahren dafür geworben, die Flüchtlinge und Asylbewerber verstärkt in Wohnungen unterzubringen. Das sah der Landkreis genauso, sodass die Flüchtlinge aktuell nur noch zwischen sechs Monaten und zwei Jahren am Möringer Weg leben.

Der „Runde Tisch“ bewertet positiv, dass sich die Menschen im Landkreis ihre Wohnung aus den Angeboten selbst aussuchen und den Vertrag auch eigenhändig unterschreiben dürfen. Dies sei in anderen Landkreisen nicht der Fall, betont Sebastian Stoll, zweiter Beigeordneter des Landrates. Er erklärte dem „Runden Tisch“, dass private Anbieter viele Wohnungen anbieten würden, auf die der Landkreis zurückgreifen könne. Das Wichtigste für die Asylbewerber, die dem Landkreis Stendal von der Zentralen Anlaufstelle in Halberstadt zugewiesen werden, sei jedoch zunächst ein Deutsch-Kurs, berichtete Stoll weiter.

„Nach unserer Erfahrung haben die neu angekommenen Flüchtlinge und Asylbewerber ein großes Interesse daran, Deutsch zu lernen, und am liebsten wollen sie auch sofort anfangen zu arbeiten“, wusste Michael Marquardt. Hinsichtlich der Sprachkurse gebe es noch Nachholbedarf. Angestrebt werde laut Marquardt ein Zugang zu Deutsch-Kursen ab dem allerersten Tag. Die Mitglieder des „Runden Tisches“ sehen die Sprachförderung als wichtigsten Faktor für die Integration.

Die Problematik mit den steigenden Zahlen an Asylbewerbern und Flüchtlingen aus dem kriegsgebeutelten Syrien ist für den Landkreis Stendal nicht leicht zu stemmen. Allein für das Jahr 2015 werden rund 1200 Neuankömmlinge erwartet.

Die Mitglieder des „Runden Tisches“ haben sich die Gemeinschaftsunterkunft in Stendal angesehen. Sie erfuhren, dass der Landkreis die Wohnungen in den zwei bisher ungenutzten Aufgängen saniert hat, um Platz für die Neuankömmlinge zu schaffen (AZ berichtete).

Insgesamt können 480 Menschen in der GU untergebracht werden. Derzeit leben dort 297 Menschen aus Syrien, Kurdistan, Serbien, dem Irak und aus Jugoslawien.

Von Maren Maatz

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