Von Woche zu Woche

Der Eiertanz der Bürgernähe

Wie aufreibend die Lokalpolitik sein kann, geht derzeit nicht nur Andreas Brohm durch den Kopf. Der „Neue“ im Kreis der relativ jungen Bürgermeister des Landkreises musste nun seinen Gang nach Canossa machen, weil er den Tangerhütter Stadtrat nicht in seine Haushaltsüberlegungen eingebunden hatte.

Und einige Kilometer weiter den Tanger hinab steigt der erste Kandidat um die Bürgermeisterwahl in Tangermünde desillusioniert aus.

Genauer als sonst verfolgen die Tangermünder derzeit auch, wie der neue Bürgermeister in Tangerhütte sich schlägt. Schließlich steht ihnen auch ein Wechsel an der Spitze bevor. Das aber unter etwas anderen Vorzeichen: In Tangermünde genießt der noch amtierende Bürgermeister Vertrauen – in Tangerhütte gab es das für Brohms Vorgängerin beileibe nicht. Und gleich vier einheimische Kandidaten haben sich an der Elbe aufgestellt – in Tangerhütte war die Auswahl deutlich kleiner, Brohm war aber ursprünglich aus dem Ort und punktete damit.

Schlichtweg kommunalpolitische Fehler haben dem Polit-Neuling Brohm nun vorerst den Wind aus den Segeln genommen. Teile des ohnehin streitbaren Rates zweifeln an ihm. Brohm wird kämpfen müssen, damit ihm wieder Gestaltungsfreiheit eingeräumt wird. Dabei war seine Initiative, harte, aber aus seiner Sicht notwendige Entscheidungen einzuleiten, durchaus wünschenswert für ein Oberhaupt der Gemeinde. Ein Bürgermeister darf nicht zum bloßen Befehlsempfänger des Stadtrates werden. Dass nun ausgerechnet „Verfahrensfehler“ im politischen Miteinander dazu führen, dass er gebremst wird, ist tragisch. Er muss Ideengeber bleiben – sofern die Stadtratsmitglieder nicht die besseren Ideen für eine finanzielle Sanierung der Gemeinde haben.

Den jetzt nur noch drei Kandidaten in Tangermünde schwant sicher nicht nur deshalb, was sie sich da vorgenommen haben. Einer der drei Kandidaten ist erfahrener Verwalter, die anderen beiden erfahrene Unternehmer und Lokalpolitiker. Sie alle drei werden demnach vermutlich keine Anfängerfehler machen. Dass der Umgangston zwischen Chefsessel im Rathaus und dem Stadtrat auch mal wüst werden kann, wird ihnen klar sein.

Und das Bürgermeisteramt umfasst nicht nur den Tanz auf dem politischen Parkett: Der Verwaltungschef wirkt auch in Belangen von Aufsichtsräten kommunaler Einrichtungen oder Förderkommitees wie „Leader“ mit, und er muss quasi „nebenbei“ noch die Verwaltung wie ein Unternehmen anleiten. Das alles unter einen Hut zu bekommen und dennoch – mit dem Anspruch der im Wahlkampf salbungsvoll zitierten „Bürgernähe“ – ein Ohr für jeden Bürger zu haben, ist ein komplizierter Eiertanz.

Von Kai Hasse

Rubriklistenbild: © Nolting

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