Stendaler Studentin untersucht Engagement für ihre Masterarbeit

An der Hochschule Stendal: Ehrenamt wissenschaftlich geprüft

Isabella Lang, Masterstudentin der Rehabilitatsionspsychologie, untersucht in ihrer Abschlussarbeit die Gründe, wieso sich Menschen ehrenamtlich engagieren – oder eben nicht.
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Isabella Lang, Masterstudentin der Rehabilitatsionspsychologie, untersucht in ihrer Abschlussarbeit die Gründe, wieso sich Menschen ehrenamtlich engagieren – oder eben nicht.

Stendal – Sich ehrenamtlich zu engagieren, ist für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit. Häufig fehlt dafür jedoch die Zeit, wie Isabella Lang, Masterstudentin der Rehabilitationspsychologie an der Hochschule Stendal, erklärt.

Um die genauen Gründe zu untersuchen, hat sie ihre Masterarbeit dem Thema Ehrenamt gewidmet und eine Onlineumfrage gestartet. 344 Menschen haben daran bereits teilgenommen. Notwendig waren ursprünglich nur 300, aber je mehr ihre Erfahrungen schildern, umso besser sei auch die Quellenlage für ihre Untersuchung.

Völlig neu ist die Fragestellung nicht. Es gebe viele Theorien und Untersuchungen, die sich bereits mit verschiedenen Aspekten befassen. Ein Grundmodell gehe so unter anderem davon aus, dass sich, vereinfacht gesagt, verschiedene Einstellungen als Gegenspieler widersprechen. Der eine Mensch ist eher konservativ, als daran interessiert, etwas zu ändern. Einer engagiert sich ehrenamtlich, um für sich und seine Zukunft positive Referenzen zu haben, während ein anderer der Gemeinschaft helfen möchte. Eine beliebte Annahme sei auch, dass Menschen, die sich ehrenamtliche engagieren tendenziell eher altruistisch veranlagt sind. Diesen Zusammenhang habe Lang jedoch nach einem ersten Blick in ihre Umfrageergebnisse noch nicht bestätigen können. „Möglicherweise liegt es eher daran, ob die Menschen Zeit dazu haben“, erklärt sie. Denn eine der häufigeren Antworten, wieso Personen nicht im Ehrenamt tätig sind, ist die fehlende Zeit.

Ein Aspekt, den Lang besonders hinterfragt, sind pauschale Einteilungen verschiedener Möglichkeiten des Engagements. So würden Freiwillige Feuerwehren häufiger einem konservativen Spektrum zugeordnet – sie setzen sich dafür ein, Menschen, Tiere und Sachwerte vor Schaden zu bewahren. „Aber so einfach ist es nicht“, sagt Lang. Wer beispielsweise Müll im Stadtgebiet sammelt, könne dies auch aus verschiedenen Gründen tun. Der Eine möchte bewahrend agieren und das Stadtbild erhalten, während ein Anderer mit der Aktion auf drohende Umweltverschmutzung aufmerksam macht, um ein Umdenken zu provozieren.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung sind aber nicht nur theoretisch interessant, sondern sollen auch einen praktischen Nutzen haben. Ein Teil der Fragen zielt darauf ab, wie Menschen zu ihrem Engagement gekommen sind und, was sie davon erwarten. Ist mehr gesellschaftliche Anerkennung notwendig oder Nachweise für Arbeitgeber, dass Kompetenzen erworben wurden? Haben Personen von einem Plakat erfahren, wo sie sich engagieren können oder im Gespräch über den Gartenzaun? Oft fühle es sich hoffnungslos an, andere mit Worten vom ehrenamtlichen Engagement zu überzeugen. Die wenigsten sind nach einem Bericht über die Arbeit eines Vereins am nächsten Tag dabei. Langs Umfrage nach sind es jedoch häufiger die Gespräche mit Freunden und Bekannten, die den Ausschlag gegeben haben, sich einem Verein anzuschließen. Auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Diese Informationen können Vereinen und Organisationen helfen, ihre Kraft in die richtigen Bahnen zu lenken. Für einige könnte es sogar bares Geld sparen, sich anstatt neue Plakate für einen Aufruf zu drucken, wieder bewusst zu machen, wie wichtig der persönliche Kontakt ist. Die Umfrage ist unter www.soscisurvey.de/Wertaten/ zu finden.

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