Hansestadt Stendal sucht 156 Schöffen für die Amtszeit von 2019 bis 2023

„Ehrenamt steckt in Krise“

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Das Landgericht braucht neue Laienrichter: Durch die Beteiligung von Schöffen in Gerichtsverfahren soll das Vertrauen der Bürger in die Justiz gestärkt und eine lebensnahe Rechtsprechung erreicht werden.

Stendal. Es entspricht einer langen Tradition, dass ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungen bei Gericht einbezogen werden. „Schöffen sollen ihre Entscheidungen ohne juristische Vorkenntnisse und mit gesundem Menschenverstand treffen.

Also das, was uns Juristen nur selten zugestanden wird“, erzählt Dr. Michael Steenbuck schmunzelnd, der neben seiner Funktion als Pressesprecher selbst Richter am Landgericht Stendal ist.

Die nächste Amtsperiode beginnt bundesweit 2019, weshalb die Hansestadt Stendal nun für die kommende Amtszeit (2019 bis 2023) immerhin 156 Frauen und Männer sucht, die am Amtsgericht sowie auch am Landgericht als Vertreter des Volkes an der Rechtsprechung teilnehmen. Aus diesen 156 Bewerbern wählt der Schöffenwahlausschuss beim Amtsgericht in der zweiten Hälfte diesen Jahres die Haupt- und Hilfsschöffen. Die große Anzahl der Schöffen rührt daher, dass ein Amtsinhaber im Schnitt nur viermal pro Jahr in einen Prozess einbezogen wird, erklärt Steenbuck. Der Grund dafür ist, dass Schöffen weiter ihr täglich Brot verdienen sollen.

Doch „das Ehrenamt steckt in der Krise“, bemängelt Steenbuck. Und das betreffe nicht nur das Justizwesen. „Leider haben sich in den vergangenen Jahren nie genügend Freiwillige gefunden“, so der Pressesprecher. Daher mussten willkürlich Menschen für das Amt verpflichtet werden. „Was nicht heißt, dass diese ihren Job nicht gut machen. Wir haben viele hervorragende Schöffen“, so Steenbuck.

Aber welche Voraussetzungen muss ein künftiger Amtsinhaber überhaupt erfüllen? „Ein Bewerber sollte in der Gemeinde wohnen und am 1. Januar 2019 mindestens 25, höchstens aber 69 Jahre alt sein. Wählbar sind deutsche Staatsangehörige, die die deutsche Sprache ausreichend beherrschen“, heißt es dazu auf der Homepage der Stadt.

Interessenten können sich beim Einwohnermeldeamt der Hansestadt Stendal, Markt 14/15, telefonisch unter der Telefonnummer (0 39 31) 65 13 44 melden oder per E-Mail unter einwohnermeldeamt@stendal.de bewerben.

Von Charlotta Spöring

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