1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Ehrenamt: Leiter des Feuerwehrmuseums in Stendal schlägt Alarm

Erstellt:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Michael Schneider überklebt in Stendal das Land im Namen Landesfeuerwehrmuseum.
Michael Schneider überklebt einen Teil des Namens. Die Aufforderung, generell mehr für ehrenamtliche Arbeit zu tun, richte sich aber nicht allein ans Land, sondern vielleicht sogar noch mehr an die Ebenen darunter. © Marco Hertzfeld

Ehrenamtliche Arbeit werde nur unzureichend gewürdigt, meint Michael Schneider. Das Landesfeuerwehrmuseum Stendal soll nicht mehr so heißen. Der Leiter streicht das Land aus dem Namen. Seine Kritik richtet sich aber vor allem auch an Land und Kommunen.

Stendal – „Ich will und ich kann nicht mehr. Wir müssen etwas ändern, und zwar dringend.“ Michael Schneider ist sauer, sauer auf die halbe altmärkische Welt und den Rest sowieso, auf Politik und Verwaltung und insbesondere auf all jene, welche die ehrenamtliche Arbeit in Stadt und Landkreis nicht ausreichend würdigten. Das Landesfeuerwehrmuseum in Stendal soll zum 1. Juli nicht mehr länger Landesfeuerwehrmuseum heißen. Der Leiter überklebt den vorderen Teil des Namens am Eingangstor an der Arneburger Straße an diesem Montagmorgen schon einmal symbolträchtig mit grauem Band.

66-Jähriger zielt auf das große Ganze

1000 Jahre Stendal, 150 Jahre Stadtfeuerwehr Stendal – für die gesamte Region sollte 2022 ganz besonders werden. Corona habe vieles kaputtgemacht, Grenzen gesetzt, natürlich. Der Sachsen-Anhalt-Tag ist verschoben, vermutlich auf 2024, ein Rolandfest gibt es erst 2023. „Doch bitte, warum hat es für dieses Jahr keinen Plan B zum Sachsen-Anhalt-Tag gegeben, warum gibt es keinen Plan B für ein Rolandfest? Man hört immer nur, es geht nicht, es geht nicht“, schimpft Schneider im Gespräch mit der AZ. Die Bürger seien müde und ausgezehrt, sie brauchten das Miteinander, das Feiern.

Passt für ihn ins Bild: Kein Ersatz für Feste

Zum Start 1993 sei der Name Landesfeuerwehrmuseum bewusst gewählt worden, obgleich alles von Beginn an nicht zuletzt auf die historische Provinz Sachsen abzielte und das Regionale großgeschrieben werden sollte. Irgendeine direkte Finanzspritze vom Land gebe es eh nicht, auch Landkreis und Stadt hielten sich mehr oder weniger raus. Es mangele aktuell eigentlich an allem: Mitstreitern, Hilfe von Ämtern und Behörden und ja, an Geld. Die Auswirkungen von Corona merke das Museum so richtig, die Besucherzahlen seien regelrecht eingebrochen, warum im Detail auch immer. Gerade einmal zehn Prozent der früheren Zahlen würden erreicht. In Zeiten vor der Pandemie besuchten jährlich mindestens um die 2500 Menschen die Einrichtung.

Feuerwehrhistorik streicht das Land

Die für den 4. Juli geplante Sonderausstellung zur Stendaler Feuerwehr hat der 66-Jährige abgesagt. Der Stachel sitzt tief, Schneider macht daraus keinen Hehl. „Wenn die Randbedingungen nicht stimmen, das Finanzielle und das Personelle nicht ausreichen, dann zieht man eben die Reißleine.“ Anderen Vereinen und Einrichtungen gehe es mit ihren Vorhaben vielleicht ähnlich oder noch schlimmer. Der Verein Feuerwehrhistorik Stendal mit Schneider an der Spitze zählt rund 20 Mitglieder, sechs davon sind aktiv. Dass regelmäßig Leute über staatliche Arbeitsfördermaßnahmen auf dem Gelände zugange seien, helfe, doch dürfe es das allein nicht sein.

Die Stendaler sind Mitglied im Museumsverband Sachsen-Anhalt. „Das sind aber nun einmal andere Welten. Wir arbeiten hier nur ehrenamtlich und sollten umso mehr lokal und regional verankert und unterstützt sein. Doch hier hakt es eben“, meint der frühere Kreismitarbeiter. Das Museum wird 2023 drei Jahrzehnte bestehen. Inwieweit das wie groß gefeiert werden sollte, der Leiter ringt noch mit sich und den Umständen. „Zwei Drittel aller Museumsbesucher sind keine Feuerwehrleute. Wir haben also eine gewisse Breitenwirkung, sind Aushängeschild, weit hinein ins Land. Viel mehr Leute müssten sich doch noch viel stärker für uns ins Zeug legen.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Freiwillige Leistungen/Lobgesang allein zählt immer weniger:
Öffentlichkeitswirksam zeichnet das Land einmal im Jahr verdiente Bürger im Ehrenamt aus. Auch Landkreis und Kommunen loben regelmäßig über den grünen Klee. Doch reicht das wirklich aus? Welche Auswirkungen Corona und auch der Ukraine-Krieg auf Altmark und Republik haben werden, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Es dürften jedenfalls nicht die besten sein. Das Land in der Spur zu halten oder auch auf Kurs zu bringen, dafür ist die Basis unverzichtbar. Sport, Kunst und Kultur, Feuerwehr und all die anderen Bereiche, in denen das Ehrenamt besonders zählt, sollten mehr denn je geachtet und gefördert sein. Wenn es ums Geld geht, muss das ja nicht gleich das Prinzip Gießkanne bedeuten, nein. Es geht um nichts weniges als einen Generalplan.

Auch interessant

Kommentare