IM GERICHT – Vierter Verhandlungstag im Salzwedeler Drogenprozess

Durch Zufall zum Großfund: Salzwedeler Ermittler suchten Fernseher und fanden Drogen

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Weil Angeklagte Nummer 6 offenbar einen Fernseher mitgehen ließ, kam die Polizei ins Haus. 

Salzwedel / Stendal – Der gestrige vierte Verhandlungstag im Salzwedeler Drogenprozess hat neue interessante Details zutage gebracht. Diesmal sagte der zuständige Ermittler der Polizei vor dem Landgericht Stendal aus.

Kurios mutet der Fund der Drogen am 21. Februar dieses Jahres in der Salzwedeler Wohnung zweier Angeklagter an. Denn von diesen wussten die Beamten anscheinend gar nichts. Sie waren stattdessen auf der Suche nach einem gestohlenen Fernseher und anderen Dingen, die die Mieterin (Angeklagte Nummer 6) von einem Ex-Freund mitgehen lassen haben soll.

Durch weitere Ermittlungen und den Aussagen von drei Personen – neben der Mieterin auch ihr Lebensgefährte (Angeklagter Nummer 7) und ihr Bruder (Angeklagter Nummer 3), der seine Ware erst kürzlich in die Wohnung verlagert hatte. Der Zeuge von der Polizei beschrieb ferner den Zustand der Festgenommenen während ihrer Verhöre. Sie sollen teils sehr emotional gewesen sein – inklusive Tränen. Der Ernst ihrer Lage, so der Tenor, sei den meisten dort klar geworden.

Der Zeuge bestätigte außerdem die Rollen der Angeklagten im Online-Drogenhandel. Nummer 1 soll demnach tatsächlich der „Kopf der Bande“ gewesen sein. Nummer 2 sein „Lagerist“, Nummer 4 der „Rekrutierer“ und Nummer 5 derjenige, der zeitweise seine Wohnung als Umschlagplatz zur Verfügung stellte – ebenso wie Nummer 6 und 7. Der Angeklagte Nummer 3 schließlich war – wie bereits mehrfach in der AZ berichtet – fürs Verpacken und den Versand zuständig.

Ein interessantes Detail noch am Rande: Das verbliebene Restgeld des Drogenhandels (sieben Bitcoins bzw. rund 56 000 Euro) konnte nicht mehr sichergestellt werden. Alle angegebenen Verbindungen ins sogenannte Darknet sind offenbar nicht mehr zugänglich.

VON JENS HEYMANN

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