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Drogenhandel in der Altmark: Zeuge kennt Bandenchef nicht

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Mikrofon steht auf einem Tisch im Gerichtssaal.
Der Prozess geht in die zweite Runde. Unter anderem wurden auch 66 Kilogramm Gras nach Heeren verkauft. Als Zeuge geladen war der Grundstücksbesitzer, bei dem der Deal stattfand. © Hartmann, Stefan

66 Kilogramm Gras wurden in Heeren an einem Tag im Jahr 2020 verkauft. Der Mann, auf dessen Grundstück das passierte, sagte als Zeuge aus. Er ist aber auch Täter gewesen. Zum Lohn gab es neben Geld ein Kilo zum Einkaufspreis.

Stendal – Nein, gewogen habe er die einzelnen Pakete nicht, erklärt der Zeuge H. auf Nachfrage von Richterin Simone Henze-von Staden im Stendaler Landgericht. „Es war schon komisch, da so viel Gras abzuladen“, erläutert er weiter. Auf seinem Grundstück hatte der Deal, bei dem 66 Kilogramm Gras den Besitzer wechselten, stattgefunden. Verurteilt wurde er dafür bereits. Nun sagt er als Zeuge im Prozess gegen den 34-jährigen Revan N. aus, der der Kopf der Bande gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft wirft der Gruppe vor, einen Umsatz von 1,2 Millionen Euro mit dem Drogenhandel gemacht zu haben.

N. habe er nie gesehen und auch nie mit ihm gesprochen, antwortet H. auf Nachfrage. Kontakt habe er lediglich mit den beiden anderen Beschuldigten K. und B. sowie zwei von dessen Fahrern gehabt. B. sei auch Hauptabnehmer bei dem Deal auf dem Heerener Grundstück gewesen. H. selbst, so sagt er, habe 2000 Euro dafür erhalten, dass er den Ort zur Verfügung stellte. Außerdem durfte er ein Kilogramm des Rauschmittels zum Einkaufspreis von 4400 Euro abkaufen. 20 Kilogramm gingen an K., während B. den Rest, also 45 Kilogramm Cannabis, kaufte.

Rechnerisch wurden bei dem Handel damit rund 290 000 Euro umgesetzt. Ungefähr ein Viertel des Gesamtumsatzes, der der Gruppe vorgeworfen wird. Nachgerechnet oder nachgezählt habe H. jedoch nichts davon. Auch an den genauen Kaufpreis könne er sich nicht exakt erinnern, der möglicherweise auch bei 4600 Euro gelegen habe. Geliefert wurden seien die Drogen jeweils in Vier-Kilogramm-Paketen, eingewickelt in schwarze Folie. Einige Ein-Kilo-Tüten hätten die 66 Kilo dann rund gemacht. Nur etwa einen Tag sollen sich die Rauschmittel auf seinem Grundstück befunden haben. Von Problemen mit der Lieferung oder der Qualität der Ware hätte er nichts erfahren. „Es war gut“, erklärt H., der damals auch selbst Konsument war.

Eigentlich hätte auch eine weitere Person über Erkenntnisse informieren sollen. Sachverständige Judith Braunholz war auf Antrag der Verteidigung am ersten Prozesstag damit beauftragt worden, zu beurteilen, ob N. zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten wegen einer Rauschgiftsucht möglicherweise nur vermindert schuldfähig gewesen sei. Mit ihrer Arbeit konnte sie jedoch nicht beginnen. Unterlagen konnten ihr nicht zugestellt werden und auch ein zweiter Versandversuch seitens des Stendaler Landgerichts scheiterte – bislang. Der Verteidiger bot der Sachverständigen an, Daten digital zur Verfügung zu stellen, bis das Versandproblem gelöst sei.

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