Gelebte Demokratie

DRK-Tagesstätte „Columbus“ hat zum zweiten Mal Kinderrat gewählt

Die Kinder der Entdeckergruppe warten gespannt auf das Ergebnis ihrer Abstimmung. 
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Die Kinder der Entdeckergruppe warten gespannt auf das Ergebnis ihrer Abstimmung. 

Stendal – Mit dem Kinderrat, der in der DRK-Tagesstätte „Columbus“ eingerichtet ist, hätten Kinder die Möglichkeit, bereits in jungen Jahren nicht nur Demokratie zu erleben, sondern auch aktiv daran teilzunehmen, berichtet Leiterin Melanie Müller-Flögel.

Am Mittwochmorgen ging das Projekt mit einer zweiten Wahlperiode in die nächste Runde.

Zum ersten Mal wurde im vergangenen Jahr, vor Beginn der Corona-Krise, gewählt. Aus jeder der zwei Kita- und der einen Krippengruppe würden dann zwei Kinder ausgewählt, die stellvertretend an Entscheidungen teilhaben. Die Pandemielage habe dem Kita-Team jedoch einige Steine in den Weg gelegt. Die Gruppen zu mischen und den Kindern die Wahlfreiheit zu lassen, mit wem sie spielen möchten, musste ein wenig zurückgestellt werden. Auch gemeinsame Gespräche, um Vorgänge abzustimmen, waren nur erschwert möglich. „Es geht um die Wahrung der Kinderrechte“, stellt Müller-Flögel klar. Denn auch junge Menschen haben ein Recht auf Selbstbestimmung. Dazu gehöre es nicht nur, ein Mitspracherecht beim Tagesablauf und der Essensauswahl zu haben, sondern auch, welche Feste gefeiert werden und wie sie gestaltet werden.

„Nein, es gibt nicht jeden Tag Eis“, erklärt die Kita-Leiterin auf AZ-Nachfrage. Die Essensauswahl könne natürlich nicht völlig frei erfolgen. Schließlich hänge sie auch davon ab, was der Caterer im Angebot hat. Trotzdem gebe es genug Gerichte, dass den Kindern eine Wahl bleibe. Nicht immer entspreche die Entscheidung, die getroffen wurde, jedoch den Erwartungen. „Das müssen Kinder auch lernen. Entscheidungen für die Gruppe zu treffen, die nicht gut ankommen“, berichtet Müller-Flögel. Nicht immer sei das Essen wie erwartet. Aber auch das gehöre dazu.

Andere Möglichkeiten, wie sich die Kinder einbringen können, betreffen die Gestaltung von Festen, aber auch der Kitaeinrichtung. „Es wurde eine Auswahl von 15 Festen angeboten“, berichtet Franziska Schütz, Öffentlichkeitsarbeit des DRK-Kreisverbands Östliche Altmark. Davon konnten dann sechs ausgewählt werden. Ein anderes Beispiel ist die Gestaltung eines Tisches. Bei der bisherigen Einrichtung gab es verschiedene Tiere als Designs. Für den letzten war dann eine Schlange vorgesehen, bei der die Kinder aus mehreren Motiven auswählen konnten. „Entschieden haben sie sich dann für die, die am fröhlichsten geguckt hat“, berichtet Müller-Flögel.

Auch für die Kinder, die noch in der Krippe sind, und ihre Wünsche nicht problemlos äußern können, sei die Teilnahme am Projekt wertvoll. „Sie wissen auch schon, was sie wollen“, stellt Müller-Flögel klar. Auch wenn es die Jüngsten noch nicht so zielgerichtet ausdrücken können, fänden sich Wege, um sie zu berücksichtigen. Ansonsten profitierten sie auch von der passiven Teilnahme. Sie könnten bei Absprachen und Diskussionen dabei sein und so schon in besonders jungen Jahren ein Gefühl für das Leben in einer Demokratie entwickeln.

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