Kreisverband gibt sogar Quereinsteigern im gewissen Alter Ausbildungschance

DRK will kein Pflegefall sein und sucht fieberhaft Azubis

+
(Symbolfoto)

Stendal. „Früher hat man gesagt: Egal ob Krieg oder Frieden, Kranken- und auch Altenpfleger werden immer gebraucht. “ An diesem geflügelten Satz hat sich für Monika Brinckmann-Büttner nicht viel geändert.

Doch existiert nun mit dem demografischen Wandel ein Feind in Friedenszeiten. Es gibt immer mehr ältere Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, und immer weniger junge Leute, die sie pflegen wollen. Das Deutsche Rote Kreuz in der Ostaltmark sucht händeringend nach geeignetem Nachwuchs und bildet seit zehn Jahren sogar selbst aus. „Das ist nicht selbstverständlich“, meint die DRK-Bereichsleiterin für ambulante und stationäre Pflege im AZ-Gespräch. Für das neue Ausbildungsjahr liegen derzeit gerade einmal vier, fünf Bewerbungen vor. „Das sind viel zu wenige Interessierte. Es sollten mindestens 20 Bewerber sein, um die passenden Azubis zu finden. “.

Dr. Franz Topsch und seine Maria leben im DRK-Zentrum „Am Schwanenteich“. Pflegefachkraft Anja Peter lässt das Glas nicht lange leer stehen. Auch das gehört zu ihren Aufgaben. Die Anlage nahe dem August-Bebel-Park ist vor einem Jahr eröffnet worden.

Das DRK geht deshalb verstärkt in die Offensive und hatte für gestern zu einer Informationsveranstaltung in die Kreisstadt eingeladen. Momentan befinden sich 20 Jugendliche in einer Ausbildung. Für die dreijährige Lehre sind für den September fünf weitere Stellen zu besetzen. Der Kreisverband Östliche Altmark betreibt Seniorenpflegeheime in Stendal, Osterburg, Seehausen und Tangermünde. Hinzu kommt die Sozialstation in der Rolandstadt. „Wir brauchen nicht um den heißen Brei herumzureden: Der Fachkräftemangel ist da. Die wenigen guten Leute auf dem Markt sind in der Regel in Lohn und Brot. Und nicht jeder potenzielle Azubi ist letzten Endes geeignet. Ein guter Realschulabschluss sollte es schon sein“, betont Brinckmann-Büttner.

Für eine Ausbildung bewerben können sich auch ältere Menschen, Quereinsteiger sozusagen. „Wer Mitte, Ende 40 ist, kann bei uns eine Chance erhalten. Noch älteren Leuten fällt es allerdings in der Regel sehr schwer, sich beruflich noch einmal völlig neu zu orientieren.“ Die Chancen für alle Auszubildenden seien gleich gut. Brinckmann-Büttner: „Ungefähr zwei Drittel der Leute können bleiben und werden übernommen.“ Dabei ziehe das DRK die selbst ausgebildeten Fachkräften anderen vor. Mit Blick auf die Altersstruktur der Belegschaft sei der Bedarf für die nächsten Jahre beachtlich.

Die Lage grundsätzlich verbessern helfen würde eine geänderte Gesetzeslage. „Derzeit werden Betriebe, die eigenständig ausbilden, bestraft. Die Azubi-Vergütungen wirken sich auf den Pflegesatz aus. „Die Angehörigen der Senioren schauen nun einmal auch darauf, was für die Pflege bezahlt werden muss. Es ist ein Wettbewerbskriterium.“ Die DRK-Pflegechefin hofft auf eine Ausbildungspauschale, die alle Betriebe in diesem Bereich zahlen müssten, ob sie nun selbst ausbilden oder nicht. „Die Rede ist schon lange davon. Vielleicht wird es 2015, 2016 endlich konkreter.“

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare