800 Jahre Neuendorf am Speck: Altmarkort putzt sich für 30. Juni heraus / Selbst Landrat hat sich angekündigt

„Dort funktioniert die Gemeinschaft noch“

Jörg-Michael Löbcke (l.) und Carsten Schulz stehen vor dem übermannshohen Strohbau, der an die einstige Mühle im Ort erinnern soll. Ein Stück Geschichte begrüßt Einwohner und Gäste am Ortseingang.

Neuendorf am Speck. Jörg-Michael Löbcke lebt weder wie die Made im Speck noch fängt er mit Speck Mäuse. „Ich esse noch nicht einmal übermäßig viel davon“, sagt er und lacht. Wie das 200-Seelen-Dorf zu seinem Namen gekommen ist, darüber streiten sich ein wenig die Geister.

So gibt es mindestens zwei konkurrierende Erklärungen, eine sagenhafte und eine halbwegs wissenschaftliche. „Wer den Namen vorher noch nie gehört hat, dem gehen da wahrscheinlich noch viele andere Dinge durch den Kopf. Einige Leute schmunzeln oder lachen auch nur. “ Im Internet sei Neuendorf am Speck sogar unter den lustigsten deutschen Ortsbezeichnungen zu finden. Löbcke ist in dem Dorf gut acht Kilometer nördlich von Stendal aufgewachsen und fühlt sich dort noch immer pudelwohl. „Ich möchte nicht woanders wohnen. Neuendorf am Speck ist mein Zuhause. Dort funktioniert die Dorfgemeinschaft noch. “ Keine Frage, dass er sich in die Vorbereitungen für die 800-Jahr-Feier am 30. Juni federführend mit einbringt und sogar einen Vortrag halten will. Das Organisationskomitee hat insgesamt gut 20 Mitglieder.

Das Programm ist längst gedruckt, die Einladungen sind bereits verschickt. Die Neuendorfer wünschen sich zahlreiche Gäste, nicht zuletzt aus den Nachbardörfern Groß Schwechten und Peulingen. „Natürlich haben wir auch an den Landrat in Wust gedacht und ihn eingeladen.“ Jörg Hellmuth hat bereits geantwortet, mindestens eine Stunde Zeit wolle er sich für das Dorf und seine engagierte Einwohnerschaft nehmen. „Wir freuen uns.“

Das gesamte Dorf putzt sich heraus. Frauen haben den Platz nahe dem Dorfgemeinschaftshaus hübsch hergerichtet und aus Blumen unter anderem die Zahl 800 geformt. Ein Erinnerungsstein mit Jahreszahlen fällt ebenfalls sofort ins Auge. „Das Areal ist wirklich wunderschön geworden“, lobt Löbcke die fleißigen Hände. Ein zweiter Jubiläumsstein befindet sich am Feuerwehrhaus. Er soll in einer Woche offiziell übergeben werden, noch sei er vor neugierigen Blicken verhüllt. Wer mit dem Auto von der Bundesstraße 189 nach Neuendorf am Speck fährt, der sieht schon von Weitem am Ortseingang eine übermannshohe Mühle aus Stroh und ein wenig Holz. Carsten Schulz hat sie mit einiger Unterstützung errichtet, er wohnt gleich gegenüber. Auch dieser Neuendorfer interessiert sich für die Geschichte des Dorfes. Er hat sogar besonderes Material zur Verfügung, eine Luftbildaufnahme des Ortes und eine Zeichnung, die ein Fachwerkensemble nahe dem Peulinger Weg zeigt, das es so nicht mehr gibt.

Löbcke kennt in Neuendorf am Speck jeden Stein. Mit seinem Vortrag möchte er die wichtigsten historischen Schlaglichter setzen. Aus der Zeit vor der Mitte des 19. Jahrhunderts sind außer der Kirche und dem Pfarrhaus kaum noch Wohnhäuser oder Stallbauten vorhanden. Den Kern des Dorfes bildet das Gotteshaus mit dem Friedhof, umgeben von größeren Bauernhöfen. Die Kirche sei 1210 erstmalig erwähnt worden, erklärt Löbcke. Nach dem 2. Weltkrieg kamen zahlreiche Flüchtlinge aus dem ehemaligen deutschen Osten und Umsiedler in das Dorf, deren Zahl sich jedoch im Laufe der Zeit wieder verringerte. Neuendorf hatte und hat keine Industriebetriebe. Das Handwerk spielt seit jeher eine untergeordnete Rolle. Lange Zeit befanden sich im Dorf ein Schmied, ein Stellmacher, ein Schneider, vor längerer Zeit auch ein Müller mit einer Bockwindmühle. Sie überdauerte noch zeitweise als Ruine, wurde dann aber doch abgerissen.

Von Marco Hertzfeld

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