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Altes Miniatur-Stadttor in Stendal entstaubt

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Von: Marco Hertzfeld

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Hände halten das Tangermünder Tor eines Dioramas aus den 1930er-Jahren.
Das Tangermünder Tor und die anderen beiden Bauwerke lassen sich von der neu gefertigten Grundplatte aus Holz lösen. Alle drei Objekte und ein paar kleinere Einzelteile sind original. Der Hintergrund wird noch mit Farbe gestaltet. © Marco Hertzfeld

Ein Diorama erlaubt einen ganz besonderen Blick auf historische Bauten. Heimatfreund Michael Trösken hat einen Schaukasten zum Tangermünder Tor aufbereitet. Die Modelllandschaft soll möglichst zum Stendaler Jubiläum 2022 im Stadttor ausgestellt werden.

Stendal – Michael Trösken greift sich mal eben das Tangermünder Tor und dreht es, um das Innenleben zu erkennen. „Fast alles aus Sperrholz, solide gearbeitet“, attestiert er im Gespräch mit der AZ und stellt das Teil zurück auf eine Platte, die er mit Sohn Mark neu angefertigt hat. Das Stadttor ist an die 40 Zentimeter hoch. Zwei Gebäude stehen links und rechts, beide ebenfalls mit einer gewissen Patina. Dazu noch eine Handvoll Bäume und andere Kleinteile, viel mehr ist aus den 1930er-Jahren nicht geblieben. Heimatfreund Trösken kann sich an dem Diorama, einem in die Tiefe gebauten Schaubild, gar nicht sattsehen. Noch ist nicht alles fertig, der Wassergraben beispielsweise hat bisher nicht die richtige Farbe. Pünktlich zur 1000-Jahr-Feier und dem Sachsen-Anhalt-Tag in diesem Jahr in Stendal soll mindestens dieser Schaukasten im Tangermünder Tor ausgestellt werden.

Ein historische Aufnahme zeigt das Diorama Arneburg Tor Stendal.
Eine historische Aufnahme des Dioramas Arneburger Tor. Dieses Stadttor existiert schon länger nicht mehr. Erhalten geblieben sind der Hanse- und Rolandstadt allein das Tangermünder Tor und das Uenglinger Tor. © Privat

Holzteile stammen aus 1930er-Jahre

Vor wenigen Jahren sind auf dem Dachboden des Altmärkischen Museums am Schadewachten mehrere Kisten voller Einzelteile gefunden worden. Sie lassen sich zu gut einem Dutzend Dioramen zusammensetzen. Der Husarenverein mit Peter Krupp an der Spitze arbeitet seit Längerem die Geschichte eines namensgebenden Regiments auf, der Schulterschluss mit dem Museum liegt auf der Hand. Trösken sieht alle als natürliche Verbünde und mischt gern mit. Im Boot sitzt zudem die Kaschade-Stiftung, von allein finanziert sich das Projekt auch dadurch nicht. Nach und nach sollen die Ausstellungsstücke, einst über einen Museumsverein entstanden, aufbereitet werden. Krupp, federführend bei dem Ganzen, widme sich momentan einem Diorama mit Arneburger Tor, das im wahren Leben ja längst aus dem Stadtbild verschwunden sei. Fesseln könne auch beispielsweise die Ansicht des Marktplatzes.

Grundplatte neu, Farbwand folgt

Trösken konzentriert sich auf das Tangermünder Tor en miniature, das Original in groß steht bei ihm quasi um die Ecke. Die Platte, 100 mal 75 Zentimeter groß, ist auf Beine montiert, die sich jederzeit auch wieder lösen lassen. „So kann alles recht flexibel und auf verschiedene Weise präsentiert werden.“ Im Museum wurden auch historische Aufnahmen gefunden. Typischerweise ist der Hintergrund eines Dioramas noch einmal besonders gestaltet. Michael Student, Künstler und Maler, wolle für Kirchen und andere markante Objekte zu Pinsel und Ölfarbe greifen. Plexiglas gegen Staub und Beschädigungen soll dann über die komplette Konstruktion. Der Erbauer dieses und anderer Schaubilder um 1938 sei übrigens bekannt. Albrecht Plathe hatte sich vor vielleicht zwei Jahrzehnten nach einem TV-Bericht bei Wolfgang List, einem renommierten Eisenbahnforscher, gemeldet.

Trösken und Husaren zieht es ins Objekt

Husarenverein, Kaschade-Stiftung und Trösken sowieso haben ihr Herz längst ans Tangermünder Tor verloren. Ihre Initiativen fruchten. Das historische Bauwerk wird in einigen Nachtstunden mit Licht in Szene gesetzt. Ein restaurierter Pferdebahnwagen parkt unterhalb, er soll übrigens beim Festumzug zum Landesfest Anfang Juli dieses Jahres dabei sein. Von einer ständigen Ausstellung zu Pferdebahn, Husarenregiment und mehr ist seit Längerem die Rede, auch von einem Husarenzimmer ganz oben im Tor. Doch richtig vorangekommen scheinen alle Beteiligten zumindest in diesem Punkt nicht. Ganz offensichtlich sieht die Stadt bei der Bausubstanz noch immer bestimmte Grenzen (die AZ berichtete). „Wir sollten noch einmal an einen Tisch“, meint Trösken und verfängt sich schon wieder mit den Augen in dem Diorama. „Zinnfiguren und andere Dekoration sind verschollen.“

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