Diktatorischer Führungsstil ließ Lächeln verschwinden

Stendal - Von Thomas Pusch. Wenn Dr. Stephan Henschen auf seine rund zehneinhalb Jahre als Chefarzt in der Frauenklinik des Johanniter-Krankenhauses zurückblickt, dann ist er durchaus zufrieden mit dem Erreichten.

In den vergangenen Jahren wurden die Geburtenzahlen entgegen der demographischen Entwicklung gesteigert. Das Brustzentrum sei weit über die Altmark hinaus bekannt, sogar ein wirtschaftlicher Faktor. Ebensolche Bedeutung misst er dem Beckenboden-Zentrum bei. „Das Thema Blasenschwäche ist aktueller denn je, auch weil es langsam aus der Tabuzone herauskommt“, so Dr. Henschen. Voll des Lobes ist er auch über die Zusammenarbeit mit der Kinderklinik unter Chefarzt Dr. Hans-Peter Sperling. Insbesondere die Versorgung auf der Neonatologie, wohin beispielsweise die Kinder kommen, „die kleingeraucht wurden, was hier leider sehr häufig vorkommt“, sei vorbildlich.

Bei all diesen positiven Aspekten, mag sich mancher fragen, warum der gebürtige Hamburger, der in Niedersachsen aufwuchs, dann zum 1. April an das Helios-Klinikum Schwerin wechselt, wo er Chefarzt der Frauenklinik sowie Leiter des Brustzentrums und Leiter der Palliativmedizin sein wird.

„Mein Lebensziel ist es, morgens mit einem Lächeln aufzuwachen“, sagte er. Irgendwann sei dieses Lächeln allerdings einem Grummeln gewichen und in ihm reifte der Entschluss zu wechseln. „Die Leitungsstrukturen haben sich zunehmend zum Negativen verändert“, heißt es in einer von ihm verfassten Pressemitteilung. Insbesondere habe ihn die fehlende Transparenz und die diktatorische Leitung belastet. „Ich glaube, dass gute Führung eines Krankenhauses nur möglich ist, wenn die Mitarbeiter mitgenommen werden“, so der Gynäkologe. Es seien Investitionen genehmigt worden, die er für schwachsinnig hielt, aber da sei ihm der Mund verboten worden, nennt er ein Beispiel.

Stendal werde er menschlich gesehen vermissen. Menschliche Spuren zu hinterlassen, das ist auch sein Ziel. Auf die Menschen zugehen, nicht arrogant und hochnäsig sein, auch wenn er manchmal so wirken mag, das sei sein Ziel gewesen. Mit fünf Söhnen sei es der Familie auch nicht schwer gefallen Kontakte zu knüpfen.

Die Menschlichkeit ist es auch, die er im Mittelpunkt seines Berufes sieht. „Man muss die Menschen lieben, um ein guter Arzt zu sein“, lautet seine These. Er würde alles wieder genauso machen, sagt der 47-Jährige, der fast Bauingenieur geworden wäre, nach zwei Semestern aber an die Medizinische Hochschule Hannover wechselte. Er würde wieder Arzt, wieder Gynäkologe. Diese Fachrichtung reiche als einzige von der Geburt zum Tod. In dem einen Moment bringe er ein Baby zur Welt, in dem anderen begleite er eine Frau beim Sterben.

Er wird Stendal verbunden bleiben, seine Familie bleibt zunächst noch hier und an der Weberstraße ist er Bauherr eines Hauses, das saniert wird.

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