Bürgergespräch im Fall Demker/ Anwalt des Anlagebetreibers meldet sich zu Wort

„Diese Art der Selbstjustiz ist Folter“

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Die Aktivisten der Soko Tierschutz Tim Saueressig (von links), Britta Becker und Friedrich Mülln standen im Tierschutz-Skandal in Demker den Bürgern Rede und Antwort.

Stendal. Es wurde am Sonnabend in den Räumen der Stendaler Tanzschule Schier und Rösel heiß diskutiert. Die Soko Tierschutz hatte zum Bürgergespräch im Tierschutzskandal in Demker eingeladen.

Günther von Jagow, Anwalt

„Die Einladung zur Veranstaltung gilt ausdrücklich auch für die Verantwortlichen der Rinderanlage, der lokalen Politik und für das Veterinäramt“, teilte Tierschutzaktivist Friedrich Mülln im Vorfeld mit. Der Einladung gefolgt sind viele interessierte Bürger, allerdings war kein Vertreter des Veterinäramtes vor Ort. Die Verantwortlichen der Rinderanlage waren durch ihren Verteidiger Günther von Jagow, Fachanwalt für Agrarrecht, vertreten. Günther von Jagow: „Ich finde es richtig gut, dass es engagierte Bürger und Vereinigungen gibt, die sie für das Tierwohl einsetzten, denn das Wohl der Tiere muss geachtet werden, das steht außer Frage. Was aber im Fall Demker schlecht gelaufen ist, dass sich Aktivisten darauf versteift haben eine Art Selbstjustiz zu betreiben. Seit Wochen kommen jeden Abend zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens Personen in den Ställen und stiften Unruhe. “ Nach Angaben des Anwaltes werde dies regelmäßig und systematisch durchgeführt. Versucht der Besitzer die ungebetenen Gäste zu stellen, verschwinden diese. Sie hätten sogar den Schlachtruf „Na Kurt kannst du wieder nicht schlafen“ ausgeheckt, um ihn vorsätzlich zu verhöhnen. „Meine Mandanten arbeiten am Tag 15 Stunden und das sieben Tage lang. Sie brauchen ihre Nachtruhe. Diese Form der Selbstjustiz ist Folter“, betonte Günther von Jagow. Das Publikum reagierte mit Kopfschütteln und Gelächter auf die Äußerung des Anwalts. Des Weiteren streitet der Jurist die Vorwürfe ab, dass Muttertiere in den Boxlaufställen ihre Kälber zur Welt bringen. „Die hochträchtigen Kühe kommen circa acht Wochen vor der Entbindung in einen Trockenfutterstall, der mit Stroh eingestreut ist. Dort kalben die Tiere. “.

Darauf meldete sich der ehemalige Mitarbeiter des Milchviehbetriebs, Benjamin Hampe, zu Wort und bestätigte erneut die Missstände in diesem Betrieb: „Sie (richtet das Wort an den Anwalt) wollen hier nur etwas schönreden. Ich habe selber erlebt, wie Kälber in den Boxlaufställen auf die Welt kommen. In diesem Betrieb gibt es nicht nur Missstände, aber es gab viele Dinge, die katastrophal gelaufen sind.“

Arno Bausemer, AfD-Politiker

An der Veranstaltung haben auch Landwirte aus der Region teilgenommen. In den Augen einer Landwirtin hätten es aber ruhig noch mehr sein können, „denn dann hätten wir die Chance, uns zu verteidigen“. Es reicht nicht, dass sie um bessere Milchpreise kämpfen, jetzt fürchten die Milchbauern nach dem Demker-Skanadal um ihr Image in der Region. „Die Zustände in diesem Hof sind schockierend. Und dieser sollte auch geschlossen werden, aber wir Milchbauern kämpfen jeden Tag ums Überleben. Die Verbraucher sind nicht bereit mehr Geld für das Produkt zu bezahlen“, beklagt die Landwirtin. Der AfD-Politiker Arno Bausemer teilt mit, dass der Kreisverband der Jungen Alternative (Nachwuchsorganisation der AfD) gegen den Chef des Kreis-Veterinäramtes eine Fachaufsichtsbeschwerde einreichen wird.

Die Soko Tierschutz fordert eine überregionale Behörde, die spezialisier, motiviert und gut ausgestattet ist, solche Fälle zu verfolgen, „damit ich irgendwann nicht mehr über Kadaver rüberklettern muss“, sagt Tierschutzaktivist Friedrich Mülln.

Von Marilena Berlan

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