Neonazis zielen auf Flüchtlinge

„Die Rechte“ wettert gegen Zentrale Anlaufstelle und will in Stendal demonstrieren

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Neonazis bei einer Demonstration im Kreis Stendal.

Stendal. Neonazis wollen am 23. Januar gegen die geplante Zentrale Anlaufstelle (ZASt) für Flüchtlinge in Stendal demonstrieren.

Der Landesverband der Partei „Die Rechte“ und sogenannte „Freie Kräfte“, Mitglieder militanter Kameradschaften, aus der Altmark rufen gemeinsam zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Perspektiven statt Massenzuwanderung“ auf. In einem im Internet verbreiteten Schreiben wettern die Organisatoren gegen Migranten, reden von „Invasoren“ und „den dafür verantwortlichen Politikern des Schreckens“. Damit dürften sich die Blicke nun nicht mehr allein auf Magdeburg konzentrieren, wo sich Sachsen-Anhalts Polizei bereits wegen mehrerer Kundgebungen am 16. Januar rüstet.

Eine führende Rolle bei der Gründung der Rechtspartei 2012 spielte der aus Kameradschaftskreisen bekannte Neonazi Christian Worch. Die Organisation hatte bereits im vergangenen Sommer im Stendaler Stadtgebiet mit einem Infostand für Aufregung gesorgt und Proteste politischer Gegner provoziert. Worchs Partei ordnet sich selbst als weniger radikal als die NPD ein. Der Verfassungsschutz sieht das allerdings anders und attestiert ihr ein „aggressiv-kämpferisches Auftreten“. Die Rechte soll sich zudem bewusst von den „alten Herren“ der NPD abgrenzen und könnte im Falle eines Verbots dieser Partei als Auffangbecken dienen.

NPD und Kameradschaften hatten den Landkreis Stendal lange Zeit als bevorzugtes Aufmarschgebiet auserkoren. Neonazis demonstrierten beispielsweise im Mai 2007 in Schönhausen und zum Jahresende in Stendal sowie danach 2008 in Tangermünde. Nachdem es eine Zeit lang relativ ruhig gewesen war, nutzten nicht zuletzt der Ostaltmärker Heiko Krause und seine Gesinnungsgenossen den Streit um zwei ehemalige Sicherungsverwahrte in der Stendaler Ortschaft Insel 2012 für ihre ganz eigenen Zwecke. Nach strukturellen Umbrüchen und Machtkämpfen scheint Worchs Rechtspartei innerhalb der Neonaziszene durchaus an Einfluss gewinnen zu können.

Der Antrag des Rechte-Landesverbandes ist im Stendaler Landratsamt eingegangen. Ob der Landkreis als zuständige Genehmigungsbehörde irgendwelche Auflagen für den 23. Januar, einen Sonnabend, erteilen wird, könne momentan noch nicht abschließend gesagt werden, so Kreissprecherin Angela Vogel gegenüber der AZ. Die Veranstaltung der Neonazis soll am frühen Vormittag vom rolandstädtischen Hauptbahnhof starten.

Eine Woche zuvor wird Magdeburg im Brennpunkt stehen. Am 16. Januar 1945 legten britische Bomber die Elbestadt in Schutt und Asche. Das Datum beschert der Polizei seit einigen Jahren Großeinsätze. Neonazis kochen aus der Geschichte ihr eigenes Süppchen. Für dieses Jahr hat die flüchtlingsfeindliche Magida (Magdeburg gegen die Islamisierung des Abendlandes), ein Ableger der Dresdner Pegida, eine Demonstration angemeldet (die AZ berichtete). Kader der Partei Die Rechte sollen bei Magida kräftig mitmischen. Ob es darüber hinaus dieses Jahr tatsächlich zu eigenen Veranstaltungen der rein neonazistischen Szene kommt, bleibt abzuwarten.

Von Marco Hertzfeld

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