Stendal-Süd: Raks-AG verhandelt mit neuem Investor über die Zukunft der Wohnblöcke

„Die letzte Chance auf eine Lösung“

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Nur noch 12 Mieter wohnen in den Blöcken der Raks-AG. Der Großteil der insgesamt 540 Wohnungen steht leer. Mit dem neuen Investor könnte sich die Lage zum Positiven ändern, aber dazu müsste erst die Grundbuchlage geklärt sein.

Stendal. „Es ist die letzte Chance auf eine Lösung. Danach bleibt nur noch die Zwangsversteigerung“, sagt Hausverwalter Lothar Nehring über die neuesten Entwicklungen der Raks-AG und ihrer Wohnblöcke in Stendal Süd.

Noch harren zwölf Mieter in den Blöcken aus – ohne fließendes Wasser, Heizung, Klingeln oder Flurlicht. Laut Nehring hat die in der Türkei ansässige Raks-AG einen neuen Investor gefunden, mit dessen Hilfe die verzwickte Lage in Süd bald eine positive Wende nehmen soll.

Doch bis es soweit ist, müssen einige Formalitäten geklärt werden. „Das Grundbuch muss auf Null gebracht werden. Das muss sauber sein“, sagt Nehring. Im Grundbuch sind neben den Eigentümern auch einige der Gläubiger mit ihren Forderungen verzeichnet. Die Raks-AG ist hier aber gar nicht als Eigentümer eingetragen, sie hat lediglich eine Verfügungsgewalt. „Im Grundbuch stehen die zwei Herren, die die Blöcke im Juli 2009 über das Amtsgericht ersteigert haben“, weiß Nehring. Einer der Besitzer, Tekin E., ist im März 2011 verstorben. Im Sommer vergangenen Jahres starb nun auch der zweite Teilhaber, Mustafa Z.

Nun versucht die Raks-AG laut Lothar Nehring über ihren Prokuristen, Ramazan Yagan, sowohl die Anwälte der Verstorbenen, den neuen Investor als auch mögliche Gläubiger an einen Tisch zu bekommen. Erst wenn die Grundbuch-Problematik geklärt sei, könne sich die Raks-AG dort als Besitzer eintragen.

Um einen aktuellen Eindruck von der Lage in Stendal Süd zu bekommen, entsandte die Aktiengesellschaft in der vergangenen Woche zwei Vertreter. „Die haben mich am Dienstagabend angerufen und sich für den nächsten Tag angemeldet. Nach rund zweieinhalb Stunden waren die auch wieder weg“, berichtet der Hausverwalter von dem Zusammentreffen mit den Rechtsanwälten.

Noch ist Lothar Nehring guten Mutes, dass diese Neuigkeiten den lang ersehnten Aufschwung für Stendal Süd bedeuten könnten. „Aber ich bin über die ganzen Jahre schon ziemlich abgekämpft“, gibt der Hausverwalter zu. Für seine persönliche Zukunft findet Nehring klare Worte: „Egal, wer der neue Vermieter wird, ich ziehe hier aus. Klipp und klar, dann mache ich zweimal im Monat Bereitschaftsdienst und das war es.“ Die regelmäßigen Einbrüche in die leerstehenden Wohnungen und die Tatsache, dass er in nahezu allen Belangen im Namen der Raks-AG mit Behörden vor Ort verhandeln muss, belasten ihn. „Und wenn hier irgendwann mal wieder alles in Butter ist, kommt die ganze Delegation der Raks-AG und klopft sich auf die Schulter, als ob es all die Probleme nie gegeben hätte“, konstatiert Nehring.

Von Mike Höpfner

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