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Hochschule Stendal untersucht, wie Kita-Kinder den Lockdown erleben

An der Hochschule Magdeburg/Stendal untersucht das Kompetenzzentrum Frühe Bildung, was Kinder am Lockdown stört.
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An der Hochschule Magdeburg/Stendal untersucht das Kompetenzzentrum Frühe Bildung, was Kinder am Lockdown stört.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Klare Anweisungen kann das Kompetenzzentrum Frühe Bildung (KFB) nicht geben – in der Position sei es auch gar nicht, erklärt Professor Dr. Jörg Borke, Vorstandsmitglied, in einem Pressegespräch am Montagvormittag. Ein paar Hinweise gebe es jedoch.

Stendal – Im Sommer hat das KFB im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration 28 Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und sieben Jahren befragt, wie deren Sicht auf die Corona-Pandemie ist.

„Sie haben aufschlussreiche Informationen zu ihrer Perspektive und ihrem Erleben in Kindertagesstätten gegeben“, erklärt Ruben Wendrock, stellvertretender Geschäftsführer des KFB. Dabei sei es explizit wichtig gewesen, die Perspektive der Kinder aufzunehmen. Mit ihrer Arbeit, die noch fortgeführt werden soll, lege das Institut einen Teil der Grundlagen, damit Entscheidungsträger auf wissenschaftlicher Basis Maßnahmen beschließen können.

Dass der Mund-Nasen-Schutz oft angesprochen und negativ bewertet wurde, sei dabei wenig überraschend gewesen. Besonders schade sei es für die Kinder, die während der beiden Lockdowns in den Einrichtungen waren, dass sie weniger Bewegungsfreiheit hatten. Teilweise wurden Themenräume geschlossen. In einigen Kitas stand nur ein Raum für gegebenenfalls neu zusammengestellte Gruppen zur Verfügung. Das bedeute auch, dass sie auf Spielzeug, das in einem anderen Raum aufbewahrt wird, nicht zugreifen können. Natürlich fehlten ihnen auch ihre sonst regelmäßigen Spielkameraden und Freunde. Es sei jedoch ein einfacher und enorm wichtiger Schritt, wie Kinder sich aktiv einbringen können: Indem sie gefragt werden, mit welchem ihrer Freunde und welchem Spielzeug sie spielen möchten. Denkbar sei da auch ein rotierendes System, sodass alle Spielsachen den Kindern in regelmäßigen Intervallen zur Verfügung stehen.

Ebenso wichtig sei es aber auch, den Fachkräften die Dankbarkeit auszudrücken. „Es ist enorm wichtig, ihnen zu sagen, dass sie systemrelevant sind. Nicht nur jetzt, sondern immer“, stellt Wendrock fest. Einige Dinge können noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Auch wenn es klar sei, dass es bei den Kindern, die über Wochen oder Monate nicht an der Bildungsarbeit in den Kitas teilnehmen konnten, Defizite gebe, sei die Datenlage noch zu dünn, um konkrete Folgen zu erkennen.

Für manche Kinder könne es auch ganz schön sein, gibt Borke zu bedenken. Deren Familien haben dann vermutlich einen großen Garten und Geschwisterkinder – diese könnten dann von einem Lockdown möglicherweise profitieren. Kinder, die jedoch in schwierigeren Umständen groß werden, könnten Defizite in der sozialen oder kognitiven Entwicklung aufweisen. „Wir sind hier im Bereich von Vermutungen“, stellt er klar. Aber dass es eine „Corona-Generation“ geben wird, halte er für unwahrscheinlich. Vieles könne mit dem Ende der Pandemie vermutlich im Bildungswesen wieder aufgeholt werden. „Wir wollen daran arbeiten, dass es keine Corona-Generation gibt“, erklärt Wendrock.

Festzuhalten sei außerdem, dass viele der pädagogischen Fachkräfte ihren Möglichkeiten entsprechend versuchen, auch die Kinder, die zuhause sind, mitzunehmen. Da würden beispielsweise Bastelanleitungen verschickt und Gespräche über Video-Chats mit den Eltern geführt. Im Zuge der Befragung geht es auch um Kinder, die nicht in der Notbetreuung sind.

„Die Digitalisierung der Kindertagesbetreuung muss eine ganz andere Dimension bekommen“, stellt Kathrin Müller, Jugendamtsleiterin des Landkreises Stendal, fest. Das müsse auch methodisch abgedeckt werden. Generell versuche man Kinder, die normalerweise keinen Anspruch auf Notbetreuung haben, den Besuch zu ermöglichen – wenn es die familiären Umstände als sinnvoll erscheinen lassen. „Beide Lockdowns haben die Erzieher kalt erwischt“, gibt Müller zu bedenken. Die Einrichtungen seien nicht in der Lage, die Betreuung teilweise oder vollständig digital zu ersetzen, auch wenn es da je nach persönlicher und fachlicher Situation gute Beispiele gebe.

Die Studie soll im laufenden Jahr fortgesetzt werden. Dann werden unter anderem auch Eltern und Erzieher befragt, kündigen die Verantwortlichen an.

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