„Die Höhen in Erinnerung behalten“

Junge Liebe durch schweren Unfall erschüttert

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Thomas und Janine Rösicke wollen ihr „normales“ Leben so gut es geht weiterführen – auch wenn er gelähmt ist. Und sie wollen Kinder.

Stendal. Der Weg ist steinig. Aber sie werden ihn gemeinsam gehen. „Bis zum Mond... und wieder zurück“, sagen Janine und Thomas Rösicke. Der Weg vor dem jungen Ehepaar ist besonders steinig seit dem 20. Juli dieses Jahres. Seit er einen Unfall hatte.

Seit er querschnittsgelähmt ist. Eine Woche vor seinem 30. Geburtstag.

„Ich erinnere mich oft an den Moment, als mich mein Mann Thomas anrief“, erzählt Janine Rösicke. „Schatz, du musst sofort kommen. Ich hatte einen Unfall“, hatte er gesagt. Da waren die Wirbel in seinem Rückgrat bereits gebrochen, das Mark vollständig durchtrennt. „Im Nachhinein stellte sich heraus, dass er versuchte, alles zu regeln – er rief außer mir seine Kollegin und seine Eltern an. Davon bin ich immer wieder beeindruckt“, sagt die junge Frau. Seit dem Unfall haben die beiden ein schweres Schicksal. „Wir fragen uns ständig: Warum passiert das uns?“ sagt sie. Sie weiß, dass sie keine Antwort bekommen wird. So konzentrieren sich die beiden auf das Jetzt und die Zukunft: Sie sind froh, dass er überhaupt noch lebt. „Gemeinsam ein neues Leben beginnen“, nennen sie das.

Das vorherige Leben: Ein Bilderbuch. Er war ihre erste große Liebe, sie war 15, er 20. Sieben Jahre nachdem sie zusammengekommen waren, heirateten sie, im Mai 2013. Vor einem Jahr dann kaufte sich das Ehepaar ein Haus in Stendal-Nord und zog dort ein. „Es ist zu einem gemeinsamen Wohlfühlort geworden“, beschreibt sie es.

Und jetzt ist alles anders: Sie müssen das Haus umbauen. Einen Treppenschrägaufzug im Eingangsbereich aufbauen, einen Innenlift einbauen, ein behindertengerechtes Bad einrichten. Trainingsgeräte anschaffen. Und das Auto muss umgebaut werden. All das kostet Unmengen Geld. „Und die Bürokratie“, meint Janine, „vereinfacht das alles nicht.“ Das betrifft unter anderem auch die Krankenkasse. Janine Rösicke seufzt bei dem Thema. Anschaffungen für einen grundlegenden Rollstuhl werden zwar bezuschusst, aber hart wird es beispielsweise beim Umbau des gerade erst fürs gemeinsame Leben hergerichtete Haus. Auf einen sechsstelligen Betrag schätzt sie die Kosten. Was die Krankenkasse gibt: 4000 Euro für alles.

Das junge Paar braucht Unterstützung. Sie hoffen auf die Hilfsbereitschaft der Stendaler. Schon im Sportverein wurde für die junge Liebe gesammelt, eine Freundin und Vorsitzende des Sportvereins „TV Popcorn“, Elfi Baumann, hilft bei der Organisation. Wer das Paar unterstützen will, kann Baumann anrufen unter (03931) 56 51 90.

Als Thomas Rösicke im Koma lag, hat seine Frau Janine jeden Tag mit ihm geredet, ihm vorgelesen und mit ihm zusammen Musik gehört. Damit wollte ich ihm Normalität geben. Normalität ist auch das, was beide sich vom Leben erhoffen: Trotz des Schicksalsschlags noch Sport treiben, das Haus bewohnen können. Trotz seiner Verletzung Kinder haben können, die sie sich gewünscht hatten. Den eigentlichen Traum des gemeinsamen Lebens weiterführen können. So oder so. „Es wird immer Höhen und Tiefen geben“, sagt sie. „Wichtig ist es, die Höhen in Erinnerung zu behalten.“ So wie Thomas selbst im Spätsommer, als er zu ihr sagte: „Ich bin so stark! Du bist so stark! Gemeinsam schaffen wir das.“

Von Kai Hasse

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