„Die Frau an seiner Seite“

Signierstunde einer Professorin: Das Vermächtnis der Witwe Oskar Schindlers trägt Erika Rosenberg in die Welt.

Stendal - Von Antje Mahrhold. Die deutschsprachige Autorin Erika Rosenberg aus Argentinien bringt die Rolle der Gattin des hollywoodberühmten Oskar Schindlers auf eine Binsenweisheit. „Hinter einem starken Mann, steht eine noch stärkere Frau“, sagt die langjährige Bekannte von Emilie, die ihr kaum populäres Wirken unvergessen machen will.

Was Nazi Schindler, dessen berühmte Liste 1200 Juden das Leben gerettet hat, vollbrachte, beschert Filmemacher Steven Spielberg sieben Oscars. Den 1993-er Blockbuster des US-Amerikaners sahen Wirtschafts- und Sozial-Fachgymnasiasten sowie angehende Steuerfachangestellte in Stendals Berufsschulzentrum im Vorfeld ihres gestrigen Dialogs mit der Emilie Schindler-Biografin aus Buenos Aires.

Prof. Rosenberg lernte die Witwe des 1974 in Hildesheim „völlig verarmt“ Gestorbenen 1990 kennen. Zufällig. Ihre 1936 aus Deutschland geflüchteten Eltern hatten Fragen der Tochter nach der Vergangenheit stets unbeantwortet gelassen, weshalb sie begann, die Geschichte ihrer Mutter, einer Hamburger Ärztin, und ihres Vaters, ein Jurist aus Berlin, zu recherchieren. Das jüdische Paar war wegen des Nationalsozialismus nach Paraguay geflohen und hatte sich, weil dort ein Überleben unmöglich war, in Argentinien eine Existenz aufgebaut, wo die Tochter geboren wurde. Nur 60 Kilometer von dort lebte Emilie Schindler, zurückgezogen, vergessen von Deutschland und der ganzen Welt – woran auch „Schindlers Liste“ zunächst nichts änderte.

So erinnert die für Rosa-Luxemburg-Stiftung Vortragende an Kurt R. Grossmanns Buch „Die unbesungenen Helden“, das schon 1957 Rettungstaten nichtjüdischer Menschen an verfolgten jüdischen Mitbürgern thematisierte, womit, so Rosenberg, die Geschichte der Schindlers in der Welt war. Die Autorin von „Ich, Emilie Schindler“ (2001), überzeugt ihr Publikum von der Rolle der ebenfalls 2001 verstorbenen Frau, mit der sie „eine tiefe Freundschaft“ verbunden hat. Emilie habe Medikamente und Lebensmittel besorgt für die Arbeiter in der Emaillefabrik ihres Mannes. Ihre am meisten anzuerkennende Rettungstat ereignete sich im Januar 1945, wenige Monate vor Kriegsende. Während der Abwesenheit ihres Mannes nahm sie sich des Schicksals von etwa 100 Juden an, bewahrte sie vor dem Vernichtungslager, indem sie die Todgeweihten als Arbeitskräfte der Firma ihres Mannes deklarierte. Rosenberg: „Sie war nicht die Frau in Schindlers Schatten, sie war die Frau an Schindlers Seite.“

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