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„Demokratie ist unordentlich“

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Von: Stefan Hartmann

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US-Generalkonsul Ken Toko (m.) besucht die Hansestadt Stendal und trifft dabei Marcus Faber (v.r.) die künftige PPP-Stipendiatin Romy Schneider, den „Young Professional“ Peter Coyne, der derzeit als Praktikant in der Pressestelle von Ministerin Lydia Hüskens tätig ist.
US-Generalkonsul Ken Toko (m.) besucht die Hansestadt Stendal und trifft dabei Marcus Faber (v.r.) die künftige PPP-Stipendiatin Romy Schneider, den „Young Professional“ Peter Coyne, der derzeit als Praktikant in der Pressestelle von Ministerin Lydia Hüskens tätig ist. © Hartmann, Stefan

Der US-Generalkonsul Ken Toko hat der Altmark einen Besuch abgestattet und dabei auch die künftige PPP-Stipendiatin Romy Schneider getroffen. Im gemeinsamen Gespräch ging es auch darum, wie unordentlich Politik manchmal ist. 

Stendal – „Democracy is messy“, sagt US-Generalkonsul Ken Toko als Schlusssatz auf die Frage, ob das Wahlsystem in den USA oder in Deutschland besser ist. Messy kann mit vielen verschiedenen Zungenschlägen übersetzt werden. Beispielsweise unordentlich, chaotisch, aber auch schmutzig. Einen dunklen Unterton hat es jedoch nicht, als der Generalkonsul, der aus Leipzig angereist ist, um im Büro von Marcus Faber (FDP) die Stipendiatin Romy Schneider zu treffen, über Unterschiede im Wahlsystem spricht.

Eine offizielle Bewertung wolle er nicht abgeben, erklärt der Mann, der seit 2020 in diplomatischer Mission im Leipziger Konsulat arbeitet. Eine persönliche hingegen schon: Die meisten Deutschen fänden, dass das amerikanische Wahlsystem unfairer und undemokratischer sei, fasst er seine Eindrücke zusammen. Besonders, dass nicht der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält, auch zwangsläufig den Wahlsieg davonträgt, stoße in der Regel auf Unverständnis. Meistens sei den Menschen aber die Geschichte des amerikanischen Systems nicht klar, das bereits seit Staatsgründung so besteht. Und auch das deutsche Wahlsystem sei nicht ohne Tücken. Das Arbeiten in Koalitionen sei deutlich schwieriger. Und – so Toko – manchmal scheine es so, als würden Abstimmungsschwierigkeiten unter den beteiligten Parteien als Grund vorgeschoben, wieso etwas nicht so vorangeht, wie man es gerne hätte oder das zumindest behauptet. „Democracy is messy“, stellt er daher fest.

Schneider, die im Sommer als Stipendiatin nach Iowa reisen wird, hört Tokos Ausführungen aufmerksam zu. Vor Diskussionen, auch über möglicherweise kontroverse politische Themen, fürchtet sie sich nicht. Vom Amerikaner Peter Coyne, der derzeit als sogenannter „Young Professional“ in Ministerin Lydia Hüskens Pressestelle arbeitet, gibt es jedoch einen gut gemeinten Rat. Trotz einiger Ähnlichkeiten zwischen Altmark und Iowa – beide sind beispielsweise landwirtschaftlich geprägt – könnte die direkte Kommunikation der Deutschen im amerikanischen mittleren Westen zu Missverständnissen führen. Jedoch nicht zu großen Problemen. Verbiegen solle sie sich nicht, meint Toko. Für viele Amerikaner ist Mitteldeutschland eine unbekannte Region. Personen aus deutschen Gebieten abseits von Berlin, München und Hamburg kennenzulernen, könne die amerikanische Perspektive bereichern.

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