Von Woche zu Woche

DDR-Oberliga ist tot, tot wie die DDR

Wenn ein Fußballspiel zum größten Polizeieinsatz seit der Wende führt, läuft irgendwas ganz grob schief.

Wir wissen alle, dass die Rivalitäten aus tiefsten DDR-Oberliga-Zeiten (höchste Spielklasse im Fußball damals) herrühren, aber irgendwann muss damit doch wohl Schluss sein. Sollten wir uns nicht eher freuen, dass die damaligen Oberligisten wie Magdeburg, Halle, Dresden, Chemnitz und eben auch Hansa Rostock jetzt in einer Liga spielen?

Letzte Woche, als der 1. FCM gegen die Stuttgarter Kickers gespielt hat, gab es doch auch keine Probleme. Die MDCC-Arena war zwar nicht knackevoll wie bei einem Ost-Derby, aber Block U hatte aus Protest gegen die Hansa-Ticketkontingent-Vergabe eine Halbzeit geschwiegen, sodass die wenigen Kickers-Fans sich Gehör verschaffen konnten.

Ulrike Meineke

Die Partie heute (14 Uhr, der MDR überträgt live) ist seit Wochen ausverkauft. 22 000 Fans werden im Stadion sein. Und die Polizei wird mit mehreren Hundertschaften, Wasserwerfern, Reiterstaffel und Hubschraubern dafür sorgen, dass es bei dem Risikospiel keine Eskalationen gibt. Immerhin werden 1140 Risikofans der Kategorien B und C (gewaltbereite und gewaltsuchende Fans) erwartet. Auch Anhänger anderer Vereine, die die Magdeburger Fans unterstützen wollen, werden da sein – vom BFC Dynamo Berlin, von Eintracht Braunschweig und vom polnischen Club Hutnik Kraków. Die Rostock-Fans kommen mit einem Sonderzug, den ein Hubschrauber begleitet, außerdem mit 250 Bussen und Autos. Eine Demonstration ist angemeldet – Hintergrund ist auch hier der Streit um die Anzahl der Gästetickets. Auch mit einem Fanmarsch der Magdeburger mit einer Rekord-Beteiligung von mehr als 2000 Fußballfans rechnet die Polizei.

Schon beim Hinspiel in Rostock im September gab es Krawalle. Zweimal musste die Partie unterbrochen werden und stand kurz vor dem Abbruch. Fans beider Lager hatten sich mit Feuerwerkskörpern beschossen, Rauchbomben das Spielfeld eingenebelt. Dann gab es Randale in der Rostocker Innenstadt.

Sport hat etwas mit Fairness zu tun. Natürlich hat jeder seinen Verein, für den er fiebert, und gewinnen ist immer schöner als verlieren. Aber auch Letzteres muss man sportlich hinnehmen. Je mehr Ost-Vereine in der dritten Liga sind, desto schöner ist das doch. Es zeigt, dass der Sport in den neuen Ländern eine gute Tradition hat und sich nicht verstecken muss. Aber wir sind ein Deutschland und die DDR-Oberliga ist tot. Tot wie die DDR.

Von Ulrike Meineke

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