Geschichtsfreunde widmen sich DDR-Grenztruppen

Denkmaltag: Stendaler zeigen Bunkeranlage

Thomas Wübbenhorst blick hinten aus einem Fahrzeug der DDR-Grenztruppen.
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Thomas Wübbenhorst zeigt ein Fahrzeug, das am 12. September 2021 mit von der Partie ist. Aufnahmen vom Bunker soll es bitte noch nicht geben. Das Zentrum der Anlage sei für die Öffentlichkeit einfach nicht fertig hergerichtet.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Der Denkmaltag 2021 soll Vorschau auf einen offenen Bunker 2022 sein. Thomas Wübbenhorst und Mitstreiter laden schon einmal auf den Vorplatz der Bunkeranlage der DDR-Grenztruppen in Stendal ein. Zum Sachsen-Anhalt-Tag soll dann alles komplett fertig sein.

Stendal – „Einen kleinen Moment, bitte!“ Thomas Wübbenhorst löst die Leiter, öffnet eine Tür am Heck und steigt für das Zeitungsfoto hinauf in ein Stabsfahrzeug, das dem DDR-Militär gedient hat. Bald wird es mit Nachrichtentechnik gefüllt sein. Zum Tag des offenen Denkmals am 12. September soll die Bunkeranlage des Grenzkommandos Nord an der Bundesstraße 189 schon einmal in den Fokus gerückt werden, der eigentliche Bunker bleibt allerdings noch für die Besucher verschlossen. „Wenn alles so läuft, wie wir uns das denken und erhoffen, dann wird auch alles pünktlich zum Sachsen-Anhalt-Tag fertig.“ Und nein, das habe nichts mit Geheimniskrämerei zu tun, versichert Wübbenhorst im Gespräch mit der AZ und lächelt milde. Das Landesfest findet Anfang Juli nächsten Jahres in Stendal statt.

Initiator: Beitrag zur Regionalgeschichte

„Es geht uns um Regionalgeschichte, die in der Öffentlichkeit bislang nicht präsent ist.“ Warum es ausgerechnet die der Grenztruppen sein soll, muss und darf auch professionelle Historiker bis zu einem bestimmten Punkt rühren. Wübbenhorst, von Hause aus Elektroingenieur, und Mitstreiter wollen ein Stück Zeitgeschichte bewahren und aufarbeiten helfen. Ähnlich verhalte es sich doch mit dem Kernkraftwerk, auch dort gebe es weder Museum noch Dokumentationszentrum. Nach und nach verschwindet bei Arneburg der Beton, ganz fertig wurde der Komplex damals ja nicht. Schon als Kind habe ihn Geschichte interessiert, jene, die nach der politischen Wende in Ostdeutschland quasi endete, reize ihn nun später besonders. Besucher dürften jedenfalls gespannt sein.

Einsatz zielt auf Sachsen-Anhalt-Tag

Die Grenztruppen sind eine Macht gewesen, sie gehörten zur altmärkischen Kleinstadt, prägten sie mit, waren ein wichtiger Arbeitgeber. Der Standort an der Gardelegener Straße hat sich allmählich gewandelt. Technisches Hilfswerk und Zoll sind seit Jahren da, ein Flüchtlingsheim ist im Bau. Wer am Tag des offenen Denkmals zur Bunkeranlage will, lenkt seinen Wagen von der B189 auf einen Weg gut 50 Meter südlich hinter dem zum THW. Vieles soll sich an diesem Sonntag zwischen 9 und 16 Uhr auf dem Parkplatz abspielen. Präsentiert werden kleine und große Fahrzeuge, die bei den Grenztruppen liefen. Im Umfeld kommen Allrad-Fahrzeuge zum Einsatz. Ein mobiler Gefechtsstand soll aufgebaut sein, diverse Technik und anderes mehr, auch eine Verpflegungsstelle.

Wübbenhorst hofft auch auf Zeitzeugen

Angekündigt sind auch Filmfrequenzen aus dem Bunker. Wübbenhorst, Projektleiter zur militärtechnischen Sammlung, und weitere Privatleute hoffen auf erfolgreiche sieben Stunden, welche die weitere Arbeit befruchten können. Womöglich könne an diesem Tag auch eine Verbindung zu ehemaligen Mitarbeitern aus dem Objekt aufgebaut werden, die etwas erzählen. „Zeitzeugen sind nun einmal wichtig.“ Und noch einmal: Der 12. September solle eine Vorschau für die geplante Eröffnung 2022 sein, nicht mehr und nicht weniger. Wie sich die Truppe der Geschichtsinteressierten nahe der Lüderitzer Straße für die Zukunft aufstellen will, bei Fragen wie dieser winkt der Altmärker schmunzelnd ab. Es könne und wolle noch nicht ins Detail gehen. Der Tag des offenen Denkmals ist erst einmal Aufgabe genug.

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