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„Das ist ein Verlust für Werben“

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Ausverkauf in Werbens „Kaufhaus Am Markt“: Inhaberin Christel Jose geht zusammen mit ihrem Ehemann Werner Jose in den Ruhestand. Damit endet eine lange Geschäftstradition, die nach dem Krieg mit einem Kolonialwarengeschäft begann.
Ausverkauf in Werbens „Kaufhaus Am Markt“: Inhaberin Christel Jose geht zusammen mit ihrem Ehemann Werner Jose in den Ruhestand. Damit endet eine lange Geschäftstradition, die nach dem Krieg mit einem Kolonialwarengeschäft begann. © Bohlander

Werben. In Werben am Marktplatz ist Ausverkauf: Inhaberin Christel Jose verabschiedet sich morgen in den Ruhestand und schließt ihr Kaufhaus in der Werbener Altstadt.

Auch ihr Mann Werner Jose, Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs in Werben, geht dann in Rente. „Für die Werbener ist das natürlich traurig. Es tut uns auch selbst leid. Aber jetzt haben wir eben beide unseren Ruhestand erreicht.“

Seit 1991 führt Christel Jose dieses Geschäft am Werbener Marktplatz. Es gab dort alles, was man so braucht im ländlichen Alltag: „Geschenkartikel, Haushaltswaren, Schreibwaren, Malerbedarf, Angelzubehör, Fahrradersatzteile, Gardinen, Tapeten, Bekleidung für Damen, Herren und Kinder“, zählt die Inhaberin auf. „Und was nicht da war, das konnte bestellt werden.“ Auch die Post und die Lotto-Annahmestelle sind im Kaufhaus untergebracht.

In der halben Stunde vor Mittag kommen heute viele Kunden in den Laden. Alle wollen am Postschalter Päckchen und Briefe aufgeben. „Künftig muss ich jetzt nach Seehausen, Osterburg oder Wittenberge fahren. Das ist ganz schön weit“, sagt eine Kundin. „Bisher konnte man schnell mal hierher gehen zum Markt, wenn man ein Geschenk braucht zum Beispiel. Das war schön. Und mit dem Geschäft ist ja auch mehr Leben hier auf dem Marktplatz.“ Das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus wird nach Neujahr aber nicht völlig leerstehen. Ihre Zimmervermietung im ersten Stock will Christel Jose auf jeden Fall weiterführen.

Wenn das Kaufhaus in Werben am 31. Dezember schließt, endet damit auch eine Tradition. Schon vor dem Krieg gab es hier einen Gemischtwarenladen, damals nannte sich das noch Kolonialwarengeschäft. Zu DDR-Zeiten betrieb die volkseigene Handelsorganisation (HO) das Kaufhaus.

Jetzt hofft Bürgermeister Jochen Hufschmidt, dass in die Geschäftsräume bald wieder Leben einzieht: „Ich danke Frau Jose für ihr jahrelanges Angebot hier in Werben. Ich bedauere sehr, dass das Kaufhaus schließt. Das ist ein Verlust für Werben. Aber wir haben die Hoffnung, dass es in irgendeiner Weise weitergeht, dass diese Räume wieder gewerblich genutzt werden. Ich bedauere auch sehr, dass die Post mit Schließung des Kaufhauses aus der Altstadt herausgeht, freue mich aber, dass die Post in Werben weitergeführt wird.“

Post und Lotto-Annahmestelle übernimmt ab Januar der Getränkestützpunkt. Am Marktplatz in Werben wird es damit im neuen Jahr aber deutlich ruhiger werden, bis sich dann möglicherweise jemand findet mit einer neuen Geschäftsidee für den traditionsreichen Ort. „Wir sind sofort bereit, das zu vermieten“, erklärt Jose.

Von Susanne Bohlander

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