Bittbriefe und Unterschriften-Aktion: Wilhelmshof kämpft für Ausbau seines einzigen Zuwegs / Kosten: 800 000 Euro

„Das ist ein Auftrag für die Gesellschaft“

Die Idylle vor Kiefernkulisse trügt: Gerade erst hat die Flickkolonne der Kreisstraßenmeisterei den 2615 Meter langen Bitumenweg nach Wilhelmshof befestigt. Fotos (2): Mahrhold

Uchtspringe/Wilhelmshof. Jubel wird nicht rollen, wenn Thomas Steinlein am 8. September als letzte Anreise-Etappe 2615 Meter altmärkische Holper-Kreisstraße meistern muss.

Der Hamburger wird auf einem einstigen Waldweg unterwegs sein, dessen Bitumen-Flickwerk ein massives Untergrundproblem hat. Und weil die Hauptperson (aktuelle CD „Wenn der Jubel rollt“) des Musikgottesdienstes beim Tag der offenen Tür im Diakoniewerk Wilhemshof blind geboren worden ist, wird der Sänger besonders spüren, was es für 500 Gäste pro Jahr, 140 Bewohner und Betreute sowie 70 Mitarbeiter Tag für Tag bedeutet, den einzigen Weg von Uchtspringe zur Therapiestätte für Behinderte und Suchtkranke samt Seminar- und Gästehaus zu befahren.

„Ich kenne viele Kreisstraßen der Altmark, es sind nicht alle bestens. Aber ich habe keine Straße gefunden, die in einem so schlechten Zustand ist wie diese Kreisstraße“, beklagt Jürgen Fischer. Der einstige Wilhelmshof-Geschäftsführer schrieb im April Bittbriefe an Stendals Landrat und Oberbürgermeister. Fischers Amtsnachfolger Joachim Arnold, der die Einrichtung seit Mai leitet, hat im Rathaus der Hansestadt eine Unterschriftenliste mit 75 Einträgen abgegeben, erklärt er der AZ.

Den Wilhemshofer Straßenwunsch unterstützt nun auch Tilman Tögel. Das Landtagsmitglied hörte beim Vororttermin mit Ortsbürgermeister Siegmund Löser vor idyllischer Kiefernkulisse von Thomas Müller harte Fakten. „Hier muss komplett ausgekoffert werden“, umriss der Straßenbau-Sachgebietsleiter beim Landkreis die zu erwartende Investitionssumme von etwa 800 000 Euro. Die Strecke gilt als inhomogen, weil sie keinen gewachsenen Straßenkörper aufweist. Angesichts von lediglich einer Million Euro, die der Landkreis bis 2013 pro Jahr für alle seine Straßenbauvorhaben zur Verfügung habe, ein dicker Brocken. Zumal eine inzwischen vom Landkreis vorgenommene 24-Stunden-Verkehrszählung kein Argument für den fördergeldrelevanten „verstärkten Bedarf“ geliefert habe. „Wir leisten Behindertenhilfe im Wald, das ist auch ein Auftrag für die Gesellschaft“, führte Arnold ins Feld.

Thomas Müller kennt die Schäden Stendaler Landkreisstraßen aus dem Effeff. Und er weiß, wo überall Stoßdämpfer und Bremsen auf harte Proben gestellt werden. Zumal Straßensanierungen ein ständiger Prozess sind, der nie ein Ende hat. So zerbrösele derzeit etwa die Einfahrt am Leuchtturm der Region, dem Zellstoffwerk. Auch die Ortsdurchfahrung in Buch bei Tangermünde stehe auf der Liste, ebenso kennt der Sachgebietsleiter Straßenbauwünsche aus Grassau bei Bismark. „Diese Entscheidungen müssen politisch wachsen“, legt er den Wilhelmshofern ans Herz.

Von Antje Mahrhold

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