Cyber-Attacken: Landratsamt Stendal hat Schadsoftware im Blick

Datenverlust unerwünscht

Symbolbild Hackerangriff Sicherheitsrisiko für kommunale Verwaltungen.
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Cyber-Attacken durch kriminelle Hacker sind ein Sicherheitsrisiko.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
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Stendal – Gefahren durch eine weltweite Serie schwerer Hackerangriffe mit dem jüngsten Fall in Anhalt-Bitterfeld hat Frank Wiese (FDP/Bündnisgrüne/Landwirte für die Region) im jüngsten Kreistag zur Sprache gebracht.

Er sorge sich um die „Handlungsfähigkeit“ der Stendaler Kreisverwaltung, die durch Cyber-Kriminalität womöglich stärker beeinträchtigt werden könnte. Deshalb mahnte der Lückstedter an jenem Abend vor wenigen Tagen aus gegebenem Anlass zu besonderer Vorsicht.

Inzwischen steht fest, dass das Landratsamt seine rund 700 Mitarbeiter im Umgang mit Schadsoftware speziell und verstärkt schulen will. Die virtuelle Attacke auf die IT-Anlage der Kreisverwaltung in Köthen/Zerbst hat mittlerweile den ersten Cyber-Katastrophenfall Deutschlands hervorgerufen. Welchen Schaden digitale Erpresser in öffentlichen Verwaltungen anrichten können, hat auch die Stadtverwaltung im brandenburgischen Angermünde (Uckermark) ab März durchgemacht. Nachdem Bürgermeister Frederik Bewer (parteilos) diverse schlaflose Nächte durchlitt, weil die Verwaltung wochenlang digital komplett unerreichbar war, konnte die aus der Altmark stammende Standesbeamtin Ingrid Jankow Mitte Mai wieder ihre Amtstür öffnen. Betroffen waren auch die Telefonanlagen aller Außenstellen sowie das Stadtarchiv, zwei Horte und städtischen Kindertagesstätten.

Das Rathaus Angermünde war monatelang unerreichbar.

Die massiven technischen Störungen durch Hackerangriffe wie in Angermünde und Anhalt-Bitterfeld werden durch Verschlüsselungstrojaner ausgelöst, die das gesamte IT-System schädigen. Die Wiederherstellung der Daten und des Systems bedarf oft einer Zusammenarbeit mit Spezialfirmen. Das Prozedere nimmt viel Zeit in Anspruch. Verschlüsselungstrojaner kappen gewöhnlich den Zugriff auf Daten und Systeme. In Angermünde waren 12 von 21 Servern lahmlegt worden. Die Kriminellen hatten sogenannte Ransomware über einen E-Mail-Anhang eingeschleust, über die allem Anschein nach Administratorzugangsdaten ausgespäht worden sind. Die Verschlüsselung beinhaltete einen Erpressungsversuch, mit dem Lösegeld in der digitalen Kryptowährung Bitcoin verlangt wurde. Angermündes Bürgermeister schaltete das Landeskriminalamt ein.

Medienberichten zufolge ergab eine Recherche des Bayerischen Rundfunks und von „Zeit Online“, dass in den vergangenen sechs Jahren mehr als 100 Fälle krimineller Attacken auf IT-Systeme von Behörden, Kommunalverwaltungen sowie anderen staatlichen und öffentlichen Stellen registriert worden seien. Nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Städte- und Gemeindebunds sei „eine hundertprozentige Sicherheit nicht herzustellen“ Cyberangriffe auf Kommunalverwaltungen seien „ein wiederkehrendes Problem“, erklärt Gerd Landsberg. Seiner Ansicht nach sei entscheidend, dass IT-Systeme ständig weiterentwickelt würden, damit die Sicherheit in den Verwaltungen steige.

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