Erster Christopher Street Day in der Altmark

Regenbogen: CSD erreicht Stendal

Dragqueen Abby Tension kämmt sich vor dem Stendaler Rathaus die Haare.
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Dragqueen Abby Tension kämmt vor dem Stendaler Rathaus ihre Mähne durch. Im bürgerlichen Leben heiße sie Clemens Meyer und komme aus Hindenburg, sagt die Künstlerin der AZ. Tension wird vorn auf den Demowagen steigen.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Musik, Farbe und politische Botschaften: Anhänger der queeren Bewegung sind in Stendal auf die Straße gegangen. Der erste Christopher Street Day (CSD) in Stendal dürfte in Erinnerung bleiben.

Für Toleranz, Vielfalt und Respekt: Anhänger der queeren Bewegung demonstrieren am 18. September 2021 beim 1. Christopher Street Day in Stendal.

Von Anfeindungen im ländlichen Raum

Stendal – „Seid laut, seid schrill, seid wunderbar normal!“, fordert es über den Lautsprecher des Demofahrzeugs auf. Und schon donnern wieder die Bässe und die Teilnehmer des ersten Christopher Street Days (CSD) in Stendal bewegen sich nach der Musik bereits auf dem Marktplatz. Der Zug wird die Hansestadt kilometerweit durchqueren. 400 Teilnehmer sind offiziell beim Landkreis angemeldet, dieser queere bunte Tross dürfte weitaus mehr Energie auf die Straßen gebracht haben. Hingewiesen werden soll auf die Diskriminierung von Leuten, die in ihrer Orientierung von Heterosexualität abweichen, Menschen, die queer sind. Für die Organisatoren aus Magdeburg ist dieser Sonnabend im September 2021 durchaus ein Erfolg, der CSD könnte gar so etwas wie ein Exportschlager werden.

Ein Star der Szene: Dragqueen Tatjana Taft hat sich für die Altmarkstadt so richtig in Schale geworfen.

Magdeburg führt Tross in Altmark

Wenn Blicke töten könnten. Gar nicht so selten seien es auch offene Anfeindungen, die Schwule, Lesben und andere träfen. Falko Jentsch stammt aus Osterburg, hat einige Jahre in Stendal gewohnt und lebt nun seit gut zehn Jahren in Magdeburg. Sehr wohl litten queere Menschen sehr häufig unter Diskriminierung, Anfeindungen und Beleidigungen, und das eben nicht selten im ländlichen Raum wie der Altmark. Die Bedeutung des CSD in „strukturschwachen Regionen“ wachse quasi von Tag zu Tag. Den Aufruf zur Premiere in Stendal würden seine Mitstreiter und er noch einmal genau so formulieren und nicht anders. Nicht zuletzt soll der Regenbogentag vor Ort „große und kleine Community-Angebote“ stärken oder sogar erst einmal anstoßen helfen.

Wenn jeder nach seiner Fasson leben und glücklich sein darf. Der Zug bewegt sich über die Breite Straße nach Stadtsee und zurück über den Schadewachten.

„Der ländliche Raum liegt uns am Herzen, und die Menschen darin sowieso“, betont Jentsch schon einige Stunden vorm Start des CSD im AZ-Gespräch. Dass der „Umgangston in Stendal und der Altmark“ noch einmal ein anderer sei, als der etwa in Magdeburg, berichteten immer wieder Betroffene selbst. Der 36-Jährige arbeitet im Vorstand des Vereins CSD Magdeburg. Dass eine Stendaler Untergruppe ins Leben gerufen worden sei, ergebe Sinn. „Und natürlich wollen wir gemeinsam zeigen, dass solche bunten Treffen nicht nur in Berlin und Köln stattfinden können.“ Auch der Christopher Street Day in Magdeburg ist schon länger fest im Veranstaltungskalender verankert. Inwieweit das auch in Stendal gelingt oder gelingen soll, wird sich zeigen.

Es ist ein Tag der Symbole, Farben und politischen Forderungen. Der CSD füllt weite Teil des Marktplatzes.

„Der CSD möge Menschen Kraft und Zuversicht in einer Stadt geben, in der eben noch nicht wirklich jeder Hand in Hand auf der Straße gehen kann.“ Am Rathaus, vorm Landratsamt und nahe dem Winckelmann-Gymnasium ist die Regenbogenfahne, das Symbol der LGBT-Bewegung, gehisst worden. Die Demonstrationsroute quer durch die Stadt berührte das Familienfest am Stadtsee. Eine bewusste Entscheidung, knapp eine Woche vor der Bundestagswahl. „Wir wollen möglichst viele Menschen mitnehmen und auch von denen gesehen werden, die sich sonst nicht für uns interessieren würden“, sagt Jentsch. Und natürlich: Stendal passte zum bundesweiten queeren Aktionstag „Grundgesetz für alle“. Die Altmarkstadt habe es somit auch auf ein besonderes Plakat geschafft, und bitte, das republikweit.

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