Landeplatz setzt auf zusätzliches Geld

Coronakrise: Stendaler Lufthafen kämpft im Sinkflug

Ein altes Kampfflugzeug steht fast trotzig auf dem Zivilgelände. Die Flugplatzgesellschaft hat mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Es starten und landen derzeit kaum Flugzeuge in Borstel.
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Ein altes Kampfflugzeug steht fast trotzig auf dem Zivilgelände. Die Flugplatzgesellschaft hat mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Es starten und landen derzeit kaum Flugzeuge in Borstel.

Stendal – Dem Flugplatz Borstel droht im Coronajahr eine Bruchlandung, sogar von einer möglichen Insolvenz ist die Rede. Die Trägergesellschaft benötigt zusätzliches Geld oder zumindest erst einmal die Garantie dafür.

Die Geschäftsführung rechnet aktuell mit einem Fehlbetrag von 93 000 Euro. Der Landkreis Stendal müsste im schlimmsten Fall maximal 51 000 Euro tragen.

Eine Beschlussvorlage, über die der Kreis-, Vergabe- und Personalausschuss am 25. Juni entscheiden wird, sieht eine Finanzspritze von 18 100 Euro vor. Landrat Patrick Puhlmann (SPD) hat der Flugplatzgesellschaft in einem Schreiben schon einmal vorab Unterstützung zugesagt.

Der Flugplatz in der Stendaler Ortschaft ist auch ohne Corona ein Zuschussgeschäft. Weil die allgemeine Krise einen ordentlichen Flugbetrieb und Veranstaltungen auf dem Gelände an der Osterburger Straße verhindert, bleiben die Kassen nun aber so gut wie leer. Für Investitionen zur geplanten Segelflug-Weltmeisterschaft 2020 in Stendal waren noch 32 900 Euro eingeplant. Sie können jetzt dazu verwendet werden, das zusätzliche Loch im Budget der Flugplatzgesellschaft zu stopfen. Damit käme der Landkreis auf die besagten maximal 51 000 Euro.

Die Gesellschafteranteile sind unterschiedlich groß. Gesellschafter gibt es drei. Der Aero-Club habe bereits zugesagt, maximal 5000 Euro des Corona-Fehlbetrags zu übernehmen, heißt es in dem Landkreispapier. Auch die Hansestadt Stendal habe signalisiert, ihren Anteil zu bezahlen. Der Geschäftsführer ist laut Landkreis bestrebt, auch alternative Ertragsmöglichkeiten zu finden. Parallel werde versucht, zusätzliche Mittel über das Land zu beantragen. Ohne eine Finanzzusage der Gesellschafter könnte der zuständige Wirtschaftsprüfer schon den Jahresabschluss 2019 nicht bescheinigen.

Folgenreicher wäre eine fehlende Zusage, wenn das „Worst-Case-Szenario“ tatsächlich eintreten sollte. „Dann werden zu einem gewissen Zeitpunkt keine ausreichenden liquiden Mittel mehr verfügbar sein. In diesem Fall wäre der Geschäftsführer verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen“, warnt es im Landkreispapier. Der Geschäftsführer erstellte die Finanzplanung im April und für den schlimmsten Fall, dass sich über die gesamte Saison die Flugbewegungen „nicht nennenswert erholen“ werden. Fallen die Erträge aus dem Fluggeschäft und die der Veranstaltungen weg, blieben zunächst noch Rücklagen.

Die Flugplatzgesellschaft kämpfe mit den Folgen der Corona-Pandemie und rechne mit deutlichen Einbußen. Die Zahl der Flugbewegungen sei um circa 90 Prozent zurückgegangen. Fliegerische Vorhaben und Veranstaltungen sind ausgefallen. Die Verlegung der Segelflug-WM auf das nächste Jahr belastet die Kasse enorm. Wegen der Beschränkungen und Verbote sei von einem „Komplettausfall der Event-Saison“ auszugehen. Einnahmen würden momentan noch aus langfristigen Vermietungen von Gebäuden und Flächen erzielt sowie geringfügig aus dem Verkauf von Kraftstoff.

Eine der bisher aufgelegten staatlichen Soforthilfen in Anspruch zu nehmen, sei unmöglich, weil es sich bei der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel mbH um ein Unternehmen mit mehrheitlich öffentlicher Beteiligung handele. Ergo: Die Verantwortlichen müssen sich auf die Gesellschafter konzentrieren und weiterhin ganz genau rechnen. Durch Investitionen in den vergangenen Jahren sei der Flugplatz im Übrigen auch so schon gut auf die WM 2021 vorbereitet, weitere Ausgaben seien „nicht zwingend notwendig“. Am Donnerstag, 18. Juni, befasst sich zunächst erst noch der Finanzausschuss des Kreistages mit der Flugplatzsituation.

VON MARCO HERTZFELD

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