Stendal rechnet mit Einbruch der Besucherzahl

Testpflicht setzt Tiergarten heftig zu

Ein Schild am Tiergarteneingang von Stendal weit auf die Corona-Testpflicht hin.
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Corona setzt Grenzen: Auf die Testpflicht lässt die Tiergartenleitung in Stendal auch am Eingang hinweisen.
  • Marco Hertzfeld
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Für den Tiergarten Stendal sieht es kurz vor Himmelfahrt nicht sonderlich rosig aus. Zwar durfte er nach einer Geflügelpest-Sperre wieder öffnen, nun wirkt sich aber die Corona-Notbremse des Bundes noch aus. Es besteht Testpflicht. Die Stadt rechnet mit einem erheblichen Einbruch bei der Besucherzahl.

Der Zoologische Garten Magdeburg zündete über einen seiner Internetkanäle eine Konfettibombe. Weil die Landeshauptstadt den Inzidenzwert unter 100 erreicht hat, ist die Testpflicht für den Zutritt des Zoos vorerst aufgehoben. In Stendal zieht die Corona-Notbremse des Bundes, wobei die Stadtsee-Einrichtung auch noch tagelang wegen eines Falls von Geflügelpest geschlossen war. „Die Tiergartenleitung rechnet schon mit einem signifikanten Einbruch, solange die Testpflicht fortbesteht“, redet Rathaussprecher Armin Fischbach Klartext. „50 bis 75 Prozent scheinen durchaus realistisch, wenn man sich das vergangene Wochenende anschaut, das vom Wetter her eigentlich hervorragend war.“

Keine 60 Gäste an zwei Sonnentagen

Nur wer ein negatives Testergebnis aus den letzten 24 Stunden von einer anerkannten Teststelle vorlegen kann, darf rein. Dies ist auch für Kinder ab sechs Jahren nötig. Ein Corona-Selbsttest von daheim reicht nicht aus. „Am Freitag hatten wir noch keinen Besucher empfangen können, während es Samstag 25 und am Sonntag 33 waren. Die weitere Entwicklung hängt stark von der Witterung der kommenden Tage und der allgemeinen Akzeptanz der geltenden Bestimmungen ab“, schätzt Fischbach Anfang dieser Woche (10. Mai 2021) ein. Die Pfingstferien der Schüler haben gerade erst begonnen. Der Tiergarten in der altmärkischen Kreisstadt gilt als beliebter Anlaufpunkt für Familien.

Doppelt bitter: Corona und Geflügelpest

„Die nunmehr geltenden Regelungen durch Bundes- und Landesrecht müssen sich zunächst herumsprechen. Beispielsweise dürfen nun auch vollständig Geimpfte oder Genesene den Tierpark besuchen, ohne einen negativen Test vorzeigen zu müssen.“ Großartigen Unmut oder gar Protest von Abgewiesenen habe es am Eingang nicht gegeben. „Einige Besucherinnen und Besucher waren über die nun herrschende Testpflicht nicht informiert und mussten am Eingang vom Kassenpersonal abgewiesen werden. Sie waren nachvollziehbarerweise enttäuscht, zeigten aber Verständnis für die neuen Regelungen.“ Wie viele Leute es waren, dazu nennt Fischbach auf die Schnelle keine Zahl.

„Die Zusatzbelastung für das Kassenpersonal hielt sich vergleichsweise in Grenzen.“ Testpflicht und weitere Maßnahmen seien noch einmal am Eingang mit Verweis auf die Rechtslage dargelegt worden. „Diese musste ein paar Mal mündlich bestätigt werden, das war es dann aber auch schon.“ Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis nähert sich weiter der 100er-Marke, wenn auch nicht stringent und in Riesenschritten. „Das Team des Stendaler Tiergartens hofft inständig darauf, dass die Entwicklung des Infektionsgeschehens, zusammen mit dem zunehmenden Impffortschritt, bald wieder eine Rückkehr in den Normalbetrieb zulässt“, formuliert der Rathaussprecher auf AZ-Anfrage weiter.

Normal läuft es für Federtiere auch nicht. Die Stallpflicht in der Kernstadt und zwei Ortschaften ist noch nicht wie im Rest des Landkreises aufgehoben. Im April war im Tiergarten eine tote und mit Geflügelpest infizierte Graugans gefunden worden. Laut aktuellem Tiergartenkonzept und Stadtsprecher gehören knapp 130 Vögel und 30 verschiedene Vogelarten zur Einrichtung. 50 Vögel waren und sind von Einschränkungen und weiteren Schutzmaßnahmen betroffen, getestet wurden 20. Dass die bereits seit Dezember allgemein verfügte Stallpflicht innerhalb der nächsten gut 14 Tage auch in Stendal Geschichte sein könnte, dafür stehen die Zeichen laut Landkreis gut (die AZ berichtete).

In der Stadtsee-Arche leben Uhus, Käuzchen, Kakadus, Wellensittiche und mehr. „Unser Vogelbestand ist sehr vielfältig und wir sind zu Recht sehr stolz darauf“, findet der Rathaussprecher. „Ebendeshalb sind wir auch überaus froh, dass alle Vögel gesund sind und es ihnen, auch mit den aktuell strengeren Sicherheitsmaßnahmen, gutzugehen scheint.“ Der Tiergarten der Hansestadt liegt direkt am Stadtsee, wo auch immer wieder einmal Graugänse in größerer Zahl vorkommen. Geöffnet ist die Freizeitstätte bis September täglich von 9 bis 18 Uhr. Danach gelten wieder kürzere Zeiten. Weitere Hinweise finden sich im Internet unter tiergarten.stendal.de.

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