Zeit zum Durchatmen / Bürger mahnen auch zur Vorsicht

Stendaler befürworten Lockerungen

Mehrere Menschen sind in der Stendaler Fußgängerzone unterwegs.
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Der Lockdown dauert offiziell noch bis Ende des Monats. Trotzdem können sich einige Geschäftstreibende und Bürger über vorherige Lockerungen freuen.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Überwiegend freuen sich die Stendaler Bürger darüber, dass in der kommenden Zeit mit Lockerungen des anhaltenden Lockdowns zu rechnen ist. Sie mahnen aber auch zur Vorsicht an: Es wäre schade, wenn die Zahlen schnell steigen.

Stendal – Dass es endlich zu Lockerungen für viele Branchen und die Bürger selbst kommt, findet eine der Seniorinnen, die es sich am Freitagvormittag auf einer der Bänke an der Breiten Straße gemütlich gemacht hat „wünschenswert“. Die notwendige Terminvergabe für den Einzelhandel, fügt ihre Begleiterin hinzu, sei jedoch „Schwachsinn“.

Dass es anders gehen müsse, zeige schon die Erfahrung während sämtlicher Phasen der Lockdowns: „Wenn ich zur Drogerie, Supermarkt oder zum Fleischer will, brauche ich ja auch keinen Termin“, erklärt sie. Dass die Gastronomie voraussichtlich bis zum 22. März warten muss, bis sie wieder Bürger im Außenbereich empfangen darf, ist ihr ebenso ein Dorn im Auge. Die Infektionen entstünden nicht dort, viele hätten mit ihren Konzepten und Anschaffungen Geld in die Hand genommen und gezeigt, dass sie bemüht sind, den Forderungen der Politik zu folgen. Dass an manchen Stellen ein vorheriger Corona-Test notwendig werden könnte, stört ebenso. Als Seniorin mit nicht so üppiger Rente könne sie nicht regelmäßig 25 Euro für einen Test ausgeben. „Wer soll das denn bezahlen?“, fragt sie. „Wer hat sich das denn ausgekaspert? Es ist doch nicht mehr zu vermitteln der Unfug.“

Ähnlich positiv zeigt sich Gustav Voß zu den Öffnungen. „Großartig“ sei das, allerdings sei es ebenso gut, dass die Politik versucht habe ein Maß zu finden. Eine komplette Öffnung hätte er abgelehnt. So habe er jedoch Vertrauen in die Arbeit der Politik.

„Für die Gastronomie ist das natürlich lachhaft“, findet Mathias Ziegelski, freischaffender Musiker. Insgesamt steht er den Lockerungen eher skeptisch gegenüber. Es sei zwar schön, dass den Menschen damit wieder eine finanzielle Perspektive gegeben werde, bringe aber langfristig niemandem etwas, wenn die Zahlen deswegen wieder stark ansteigen und zum Monatsende der nächste große Lockdown auf der Matte steht. Vor allem wünscht er sich jedoch eine Rückkehr zum sachlichen Diskurs: „Ich habe das Gefühl, es gibt nur noch Pro und Kontra, entweder man ist dafür oder dagegen“, erklärt er. Dass man möglicherweise das eine oder andere Argument der Gegenseite gut findet, scheine auszusterben. Man müsste wieder mehr offen sein für andere Ideen. Vor allem müssten jedoch die Unterstützungsprogramme entbürokratisiert werden. Obwohl er als Künstler selbst stark betroffen sei, habe er wegen des hohen Aufwands auf die Beantragung von Hilfen verzichtet. „Für uns ist das saisonal normal, dass wir finanziell auch mal nicht so gut da stehen“, berichtet Ziegelski. Deshalb könnte seine Branche vielleicht recht gut mit kurzzeitigen Verdienstausfällen umgehen.

Ebenfalls positiv gestimmt ist Katharina Rennmann. Die Lockerungen finde sie gut, auch in Anbetracht steigender Zahlen: die Leute hätten schon viel zu lange verzichten müssen. Wer sich verantwortungsvoll zeigt, sei ohnehin vorsichtig. Dann sei es besser, wenn die Bürger sich treffen dürfen, anstatt es heimlich im Verborgenen zu tun.

Auch Margot Trösken freut sich über die Öffnungen. Auch wenn sie ein wenig mehr Geduld besser gefunden hätte. Weitere 14 Tage zu warten, hätte dann auch nicht geschadet, auch wenn es für die Geschäfte natürlich eine gute Sache sei. Jetzt müsse jedoch aufgepasst werden, dass die Zahlen nicht wieder in die Höhe schießen. „Es wäre schade, wenn wieder alles zugemacht werden muss“, stellt sie fest.

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