„Masken sind eine Krücke“

Corona-Lage weiter ernst: Klinik-Personal in Stendal infiziert

Von der besseren Hälfte genäht: Landrat Patrick Puhlmann (SPD) setzt auf SPD-roten Gesichtsschutz.
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Von der besseren Hälfte genäht: Landrat Patrick Puhlmann (SPD) setzt auf SPD-roten Gesichtsschutz.

Stendal – „Ich muss den Optimismus dämpfen“, mahnt die Amtsärztin des Landkreises Mittwochmittag, denn die Corona-Gefahr habe die Ostaltmark weiter im Griff.

So gab es in Woche sechs nach Eintritt der Kontaktverbote am gestrigen Tag den sechsten Covid-19-Toten im Kreis Stendal.

Bei dem Mann handele es sich um einen „über 60-Jährigen“. Sein Tod senkt das bisherige Durchschnittsalter der Pandemie-Verstorbenen im Kreis von 85 auf 80 Jahre, berichtet Dr. Iris Schubert bei der dritten Corona-Pressekonferenz des neuen Stendaler Landrats Patrick Puhlmann (SPD).

Als besonders besorgniserregend bewerte Schubert, dass sich im Stendaler Johanniter-Krankenhaus trotz dort geltender Hygienemaßnahmen aktuell drei Pflegekräfte angesteckt hätten. „Halten Sie Abstand, Masken sind eine Krücke“, appelliert die Amtsärztin und rät dazu, weiterhin „herzlich, aber auf Distanz“ zu bleiben.

Eine weitere Ansteckungswelle im medizinischen Bereich gebe es durch Pflegekräfte, die in einer Einrichtung außerhalb des Landkreises tätig sind. Dort hätten sich bislang sieben Beschäftigte, die im Landkreis Stendal leben, mit dem neuartigen Virus infiziert. Um welches Pflegeheim es sich in der Nachbarschaft des Landkreises handele, könne Schubert aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sagen.

Fest stehe jedoch, dass die Infektionsquellen inzwischen nicht mehr „Mitbringsel aus dem Urlaub“ seien. Übertragen werde Covid-19 in der Region derzeit vor allem im Freundes- und Bekanntenkreis. Dies liege nicht zuletzt auch am hohen Anteil von Montagearbeitern. Erfreulich anders sei die Situation dagegen bei den Saisonarbeitern, die derzeit etwa als Erntehelfer bei Spargelbetrieben im Einsatz seien. Sechs Firmen in der Region würden in diesem Bereich derzeit insgesamt 114 Saisonbearbeiter beschäftigen. „Bislang gibt es dort keinen einzigen Befund“, sagt Schubert.

Landkreisweit befinden sich Schuberts Angaben zufolge derzeit 110 Menschen wegen Covid-19 in Quarantäne. Bislang gab es demnach insgesamt 89 Fälle, die positiv auf das Virus getestet wurden. Allein am Dienstag seien vier Infektionen innerhalb eines Tages auf dem Gebiet des Landkreises bekanntgeworden. Zehn Covid-19-Fälle hätten sich in Krankenhäusern befunden, auch der zuletzt Verstorbene, der sechste Corona-Fall starb in einer Klinik.

„Abstand halten ist und bleibt mit und ohne Maske das entscheidende Kriterium“, habe der neue Kreisverwaltungschef seine anfängliche Skepsis zur Maskenpflicht inzwischen revidiert. Es gebe in seinem, neuen Zuständigkeitsgebiet aber „weiterhin keine Masseninfektionen“. Dennoch gelte entsprechend der Festlegung auf Landesebene ab dem heutigen Donnerstag, 23. April, eine Pflicht zum Tragen von Gesichtsschutz. Die „textilen Barrieren“ können als selbstgeschneiderte Masken, wie sie Puhlmann dank des Nähtalents seiner Ehefrau im Landratsamtssaal „Stendal“ in knallroter Farbgebung vorgeführt hat, genauso zum Einsatz kommen, wie auch in Gestalt von Tüchern, Schals oder ähnlichen.

Pflicht sind sie zum heutigen Nach-Corona-Schulstart für Abschlussklassen des Berufsschulzentrums sowie der Gymnasien, Gemeinschafts- und Sekundarschulen bei der Fahrt im Bus. „Der ÖPNV läuft an“, sagt Vize-Landrat Dr. Denis Gruber. Die Schulbusse seien so getaktet, dass ein Eintreffen der Schüler vor Beginn der ersten Unterrichtsstunde sowie die Rückfahrt nach der sechsten Stunde möglich sei. Ab 4. Mai starte dann der Unterricht für Neunt- und Elftklässler.

VON ANTJE MAHRHOLD

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